World Usability Day 2012 in Hannover

von Jan-Christoph Roth
28.11.2012

Kai Nehm und Jan-Christoph Behre haben sich für uns auf den Weg gemacht, um beim World Usability Day 2012 Antworten auf aktuelle Fragen zum Thema Benutzerfreundlichkeit zu erhalten: Wie sieht Interaktion zwischen Mensch und Maschine in Zukunft aus? Was ist heute schon machbar – was bleibt (noch) Utopie?

Der Blick über den Tellerrand – Interaktion neu gedacht

Bibliothek heute und morgen: Will it blend?

Unter dem Titel "Blended Library – Neue Interaktionsformen für die Bibliothek der Zukunft" stellte Prof. Dr. Harald Reiterer von der Universität Konstanz in einem illustren Vortrag neue Interaktionsmöglichkeiten für die Bibliotheken der kommenden Generationen vor. Seine Vision ist die Entwicklung und Nutzung neuer Interaktionsformen für Rechercheanwendungen in wissenschaftlichen Bibliotheken. Dabei ist sein Ansatz so einfach wie effektiv: Die Vorteile der Interaktion und Kooperation einer physikalischen Bibliothek mit denen einer digitalen zu verknüpfen. So werden multi-touch-fähige Oberflächen, iPads und interaktive Wände mit physischen Objekten kombiniert, wie zum Beispiel einem Token aus Holz, das auf dem digitalen Tisch bewegt wird, um das kollaborative Arbeiten der Nutzer zu erleichtern. Aus unserer Sicht ein durchaus interessantes Konzept, das beide Welten auf vollkommen neue Weise verschmelzen lassen kann – und vielleicht sogar wird.

Usability: Fragt die Benutzer!

Torsten Bartel, Geschäftsführer des Organisators usability.de, stieg ebenfalls mit einer Frage in seinen Vortrag ein. "Innovative Interaktionskonzepte − alles neu und benutzerfreundlich?" Seine Ausführungen waren eine bunte Mischung positiver wie negativer Beispiele aus dem Anwenderalltag und ein Weckruf an Konzepter, Designer und Kreative Benutzer digitaler Interfaces früh in Entwicklungs- und Gestaltungsprozesse mit einzubeziehen. Haken dran!

Touchdisplay + Kühlschrank = sinnvoll?

Nach einer (interaktiven) Pause konstatierte Jens Franke, Senior Interactive Developer, Autor & Lehrbeauftragter, berechtigterweise, dass ein Touchdisplay nicht überall eine sinnvolle Ergänzung für den "Joy of Use" der Nutzer darstellt. Im Rahmen seines Vortrages "New ways of interaction" beleuchtete er "die Freuden der Interaktion" zwischen Mensch und Maschine. In diesem Kontext stellte er neue Ideen und Konzepte aus den Hochschulen und Laboren dieser Welt vor, die die Interaktion in Zukunft (vielleicht) grundlegend verändern werden. Da kann ein einfaches Bettlaken schnell ein Interface zur Modellierung dreidimensionaler Flächen werden.

Alles ist ein Interface

Marc Herrlich und Dirk Wenig stellten die Ergebnisse ihrer Forschung am TZI Bremen vor. Unter dem Titel "Natürlich realitätsbasiert − Interaktionsforschung am TZI" untersuchen sie die Verschmelzung der virtuellen Welt mit der unserer Realität. Neue Eingabegeräte (sog. “Natural User Interfaces” oder kurz “NUIs”) erweitern in diesem Szenario die Möglichkeiten der Interaktion, werfen aber auch viele Frage auf. Wie können die Möglichkeiten, NUIs optimal im Alltag einzusetzen, aussehen? Welche Konzepte der physischen Welt lassen sich in die virtuelle übertragen? Wir dürfen weiterhin gespannt sein, was am TZI mittel- und langfristig erdacht, getestet und erforscht wird.

Was macht ein Comic-Zeichner bei Volkswagen?

Einen echten und gleichermaßen erfrischenden Blick über den Tellerrand bot Dr.-Ing. Michael Mischke (Konzernforschung/Bedienkonzepte und Fahrerinformationssysteme, Volkswagen) mit seinem Vortrag "Interdisziplinäre Bedienkonzeptforschung bei Volkswagen", der auch einen kleinen Ausblick auf das Autofahren der Zukunft gab. "Wenn die Autos in Zukunft alleine fahren, was machen dann die Fahrer?" VW ist überzeugt: Das Auto der Zukunft wird sich selbständig im Straßenverkehr zurecht finden. Diese und viele weitere Frage treiben Forscher und Entwickler in Wolfsburg um. Und wer hätte gedacht, dass viele innovative Ideen, die Einzug in die PKWs auf den Straßen dieser Welt nehmen, einmal als Comics bei den Automobilherstellern begonnen haben? Was die beiden Kollegen für uns aus diesem kleinen Exkurs mitgenommen haben, ist ein Grundsatz, der bei Neoskop seit der ersten Stunde groß geschrieben wird:

„In jedem Projekt ist es wichtig, Nutzer frühzeitig in iterative Tests mit Prototypen, wie komplex diese auch sein mögen, einzubeziehen.“

— Dr.-Ing. Michael Mischke

WUD12: Ein Resümee

Vollkommen anders als erwartet. Und doch mehr als spannend. So könnte man diesen kurzweiligen World Usability Day 2012 in Hannover zusammenfassen. Nicht zuletzt das historische Marstall Gebäude der Technischen Informationsbibliothek hat zu einem gelungenen Abend beigetragen, der vor allem eines gezeigt hat: Das Thema Usability ist in jeder Branche - nicht nur der digitalen – ein erfolgsentscheidender Faktor. Wir sind schon gespannt was uns im nächsten Jahr erwartet, wenn wieder ein Blick über den sprichwörtlichen "Tellerrand" gewagt wird.

Titelbild: urlaubstadt.com