Touch – Design zum Anfassen auf der TYPO 2013 Berlin

von Tobias Penne
05.06.2013

Bereits zum 18. Mal fand vom 16. bis 18. Mai 2013 die TYPO Berlin, im Haus der Kulturen der Welt statt. Die Designkonferenz ist Bestandteil der Veranstaltungsreihe "International Designtalks" und findet regelmässig an den Standorten Berlin, London und San Francisco statt.

Mit diesen beiden Thesen verdeutlichte Harry Grafikdesignern wie frustrierend und spannend zugleich das Themenfeld des Interaction Designs sein kann. Alles sei aber halb so schlimm: Wer bereit sei, sich die Hände schmutzig zu machen, seine Komfortzone zu verlassen und Code verstehen zu lernen, würde am Ende feststellen, wie viele neue Möglichkeiten sich daraus ergeben. Die Grenzen der Rollen- und Aufgabenverteilung verschwimmen zunehmend im Interaction Design. Dabei brauche sich aber niemand zwischen Kirk und Spock zu entscheiden.

Unter dem Motto "Touch" präsentierte sich die TYPO als ausgesprochen bunte Veranstaltung. An drei Tagen hielten rund 80 Sprecher aus den unterschiedlichsten Designdisziplinen Vorträge auf vier Bühnen. Stefan Kröckel und Tobias Penne waren dabei.

Die Konferenz überzeugte mit ihrer Themenvielfalt. Neben klassischen Themen aus Typografie und Grafik-Design standen ebenso Vorträge über digitale Gestaltung, Crowdfunding-Projekte und interaktive Textilien auf der Agenda. Abseits von Keynotes und Vorträgen hatte Erik Spiekermann im Foyer eine kleine "Typo Werkstatt" aufgebaut. Dort konnten Besucher nach Herzenslust mit Holzlettern und Farbe, Schriften auf Papier und T-Shirts drucken - ganz analog.

Alle Macht dem Analogen

Nancy Birkhölzer und Reto Wettach von IXDS beschäftigten sich in ihrem Vortrag „Alle Macht dem Analogen“ mit dem digitalen Wahnsinn der heutigen Zeit. Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Frage, ob das Empfinden von Emotionen oder Erlebnissen heute nur noch über Finger-Gesten auf digitalen Devices möglich sei. Ihre These: Urlaubserlebnisse und Fotos werden im Eiltempo geschossen, geposted und digital konserviert. Erst später am Schreibtisch fände sich wieder Zeit, das Erlebte in Ruhe zu begutachten. Mit Ihrem Vortrag machten Sie auf die tiefe Verankerung digitaler Technologien in unserem Alltag aufmerksam und gaben einen Ausblick, wie sich dies in der Zukunft noch verstärken könnte. Als Beispiel nannten Sie unter anderem ein Kreditkartenlesegerät, das einen fühlbaren Response gibt, wenn die Karte durchgezogen wird. Je höher der abgebuchte Geldbetrag wäre, um so schwerer würde es sein die Kreditkarte durch das Gerät zu ziehen.

Digitales Design fordert neue Rollen und Wege

Highlight des ersten Konferenztages war der Vortrag "Aufwachen! Die digitale Zukunft hat begonnen" von Harry Keller, Frontendentwickler bei edenspiekermann. Mit seinem Vortrag spornte er auf erfrischende Art dazu an, sich mit digitalem Design auseinanderzusetzen. Er stellte die Printwelt als aufgeräumtes Wohnzimmer mit Ordnung und Struktur einer unaufgeräumten Baustelle der digitalen Welt gegenüber, auf der noch nichts so funktioniert wie es soll.

„What you design is not what you get! Nothing you do is ever finished!“

— Harry Keller, edenspiekermann

Designing Emotions

Mit Mareike Roth und Oliver Saiz von hoch-e wurde es wissenschaftlich emotional. In ihrer Masterthesis entwickelten sie Tools, mit denen Werten und Emotionen, gestalterischer Charakter verliehen werden kann. "Emotion Grid" ist eines von zwei entwickelten Tools. Es soll helfen die größtenteils unbewussten Handlungen während eines Designprozesses kontrollierbar zu machen. Emotionen und Gestaltung werden dabei in Bezug zueinander gesetzt. Emotion Grid definiere emotionale Zonen, die Marken und Produkten zugeordnet werden könnten. Ein damit verbundenes Werteumfeld beschreibe dann einen Bereich, der eine mögliche konzeptionelle Richtung für die Gestaltung aufzeige. Die Beiden gaben einen interessanten und aufschlussreichen Einblick in den Mix aus Verhaltensforschung, Designpsychologie und Portfoliovortrag. Die Emotion Strategy von Mareike und Oliver könnte ein erster Schritt sein, Kunden und Entscheidern Gestaltungsprozesse transparenter und verständlicher dazustellen. Diskussionen über Geschmack und persönliches Empfinden würden im besten Fall umgangen werden.

TYPO Berlin 2013 inspirierte

Die Typo Berlin war und ist eine bunte Veranstaltung - das macht sie auch so interessant und einzigartig. Für uns war sie mehr eine Inspirationsveranstaltung als eine Reihung von Fachvorträgen über Gestaltung und Typografie. Hierzu haben unter anderem Menschen wie der Architekt, Autor und "Karma-Economist" Van Bo Le-Mentzel beigetragen, der an dieser Stelle noch kurz erwähnt sein soll. Mit seinem Off-Topic Vortrag über "Karma Chakhs" präsentierte er ein spannendes Projekt über "Crowducing" und "Schuhe mit Karma".

Wir freuen uns auf die #typo14!

Bildnachweise: Tobias Penne, Jens Tenhaef, Fontshop, Harry Keller