SEO Campixx 2012 – 15 Erkenntnisse, die ich mit nach Hannover genommen habe

von Malte Möller
26.03.2012

Am 10. und 11.03. fand in Berlin die diesjährige SEO Campixx statt. Dabei handelt es sich um eine (Un-)Konferenz im Barcamp-Stil zum Thema Suchmaschinenoptimierung. Ausgerichtet wurde die SEO Campixx von dem SEO-Urgestein Marco Janck, aka SEOnaut. Begleitet wurde das Event durch zahlreiche Charity-Aktionen, welche der Björn Schulz Stiftung zugute kommen. Diese kümmert sich um schwerst- und unheilbar kranke Kinder, Jugendliche und jungen Erwachsenen. Meiner Meinung nach eine gute Sache, für die ich gern gespendet habe.

Was die SEO Campixx so besonders macht

In welcher Branche findet schon ein so intensiver und offener Wissenstransfer unternehmensübergreifend statt? Stellen Sie sich einmal vor, die Ingenieure von Volkswagen würden sich einmal jährlich mit den Kollegen von Daimler und BMW zwei Tage "einschließen", Erfahrungen austauschen, die nicht selten die Grenze vermeintlicher Geschäftsgeheimnisse überschreiten und abends zusammen feiern. So etwas kenne ich bisher nur aus Japan oder habe ich etwas verpasst?

„Pro Tag rund 60 Vorträge/Workshops à 45 Minten, stets rund 13 parallel; diese Zahlen sprechen für sich.“

Glücklicherweise werden die Präsentationen vieler Vorträge, oder ganze Videoaufzeichnungen davon, anschließend im Web veröffentlicht. Eine gute Übersicht darüber ist z.B. bei linkbuildingblog.de zu finden. Im Folgenden ein Überblick über die Kerninhalte der Sessions, welche ich mir ausgesucht hatte:

15 Erkenntnisse, die ich mit nach Hannover genommen habe

1. Die Amerikaner sind stark im Marketing, aber die besten SEO-Tools kommen aus Deutschland. Drei meiner persönlichen Highlights:

  • Search Mertrics Essentials - Aufstrebende, allgemeine Software für die Bereiche SEO & Social.
  • Link Research Tools - State-of-the-Art Link-Analyse Tools.
  • Strucr - Mächtiger Crawler um Verzeichnistiefen aufzuzeigen und Fehler auch dort zu finden, wo der Google-Bot gar nicht mehr hinkommt.

2. Das Tool zur schnellen und automatischen Erstellung umfangreicher und aussagekräftiger SEO-Reports muss noch erfunden werden.  

3. Es gibt Tools auf dem Markt, die prinzipiell vollautomatisch rund um die Uhr unendlich viele Backlinks aufbauen. Diese Backlinks funktionieren sogar, d.h. die können die Rankings und Besucherzahlen von Websites positiv beeinflussen.
Aber: Wer seriöse Projekte bedient, sollte sich ganz genau überlegen, ob er solche Methoden anwenden möchte und wie er seine Website schützen kann, damit diese nicht von Google abgestraft werden.

4. Dass so genannte Social Signals (Tweets, Facebook-Shares, Google +1 etc.) einer URL unbedingt ein Google-Rankingfaktor darstellen, gilt - anders als es in der Zeitschrift Internet World Business dargestellt wurde - nicht als erwiesen. Lediglich eine Korrelation von hohen Rankings und vielen Social Signals wurde durch eine Studie nachgewiesen (Correlation is not Causation).
Unumstritten ist jedoch, dass Google versucht bzw. versuchen wird, Social Signals bei der Bewertung der Rankings zu berücksichtigen. Wichtiger noch als die bloße Anzahl der Social Signals, ist hierbei für Google aber auch der so genannte Social Graph. Denn Social Signals, z.B. Facebook-Likes, können mittlerweile auch schon gekauft werden. Nicht selten werden diese dann von Robotern ausgelöst. Es ist also für Google erforderlich die entsprechenden Social Media Accounts als "echt" zu verifizieren, z.B. auf Basis der Nutzeraktivität oder des Vernetzungsgrades.

5. Kreativität, Kommunikationsfähigkeit und Beziehungsmanagement sind drei wichtige Bestandteil beim Aufbau von hochwertigen Backlinks. Wer Stories und hochwertigen Content in der richtigen Form an die richtigen Menschen liefert, hat gute Gewinnchancen. (Die Herausforderung besteht lediglich darin, dies elegant in seine Prozesse und Dienstleistungsangebote zu integrieren.)

6. Sehr viele Menschen suchen nach "[Einem Produkt] + [Ihrer Marke]". Offenbar ist Ihre Marke relevant für dieses Produkt. Darf Ihre Website in hochwertigen Suchergebnissen zu dem besagten Produkt fehlen? Nein, auf keinen Fall! 

7. Exact Match Ankertext ist tot. Während es früher Gang und gebe war, exakt das Keyword zu verlinken, für welches man gute Rankings erzielen möchte, gilt es heute (aber eigentlich auch schon seit geraumer Zeit), seine Ankertexte relativ stark zu diversifizieren. Auch sematische verwandte Keywords als Ankertext zu verwenden ist nicht unbedingt die schlechteste Idee. 

8. Traffic-Volumen und Nutzerverhalten sind/werden ein Rankingfaktor. Google weiß durch die weite Verbreitung seiner Produkte wie z.B. Google Analytics, Google Chrome und der Google Toolbar ziemlich genau über das Traffic-Volumen einzelner Websites Bescheid. Und viel Traffic wird durchaus positiv gewertet (werden). Allerdings erkennt Google auch, wie sich ein Nutzer auf einer Website bewegt und kann so recht schnell erkennen, ob ein echter Besucher oder ein Bot die Seite besucht.

9. Dazu, welche Kennzahlen für mich als SEO-Verantwortlichen oder den Auftraggeber relevant sind, konnte ich neue Inspirationen gewinnen, welche bei nächster Gelegenheit gleich in die Tat umgesetzt werden. Hierbei geht es weniger um Rankings einzelner Keywords, als vielmehr um die Performance einzelner Teilbereiche, (SEO-)Traffic und die permanente technische Überwachung einer Website.

10. Eine sehr interessante Diskussion hat sich im Rahmen der Session Internet Marketing im Jahre 2022 entwickelt. Ein paar Erkenntnisse und, teils gewagte, Prognosen daraus:

  • Die Technologie und das Wissen der Menschheit vervielfacht sich in immer kürzeren Abständen.
  • Dektop-PCs und Laptops werden Tablet-PCs weichen (mit Ausnahme von Business-Anwendern).
  • Personalisierte Suchergebnisse und die Verwaltung von Daten und Wissen durch einzelne Mega-Konzerne stellt eine Gefahr dar (siehe auch dontbubble.us)
  • Herkömmliche Websites werden in den Internet-Suchergebnissen zunehmend durch die Auslieferung von aggregierten Informationen auf Seiten von Drittanbietern und Suchmaschinen selbst "ersetzt" (Dieser Trend ist aktuell bei Google schon erkennbar).
  • Menschen lagern Teile Ihres Gehirns in die Cloud aus und ähneln heute dank Smartphone in Teilen bereits einem Cyborg.
  • Die digitale Gesellschaft wird sich schneller entwickeln als der Staat/die Nationalstaaten, so dass diese langfristig überflüssig werden und das Volk sich selbst organisiert und verwaltet.
  • Das Thema Unsterblichkeit wird über kurz oder lang keine Illusion bleiben.

11. Während es in manchen Fällen Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre dauert eine neue, eigenständige, komplette Website ins Netz zu stellen (aka "eine Domains zu projektieren"), geht dies auch innerhalb von wenigen Minuten.

12. Während einige eine Domain innerhalb von wenigen Minuten projektieren, gibt es auch welche, die dies innerhalb von einer (!) Minute tun. Das habe ich im Rahmen der Präsentation einer selbst entwickelten Agentur-Software gesehen, die die Prozess innerhalb der Agentur so vereinfacht hat, dass bei gleich bleibendem Personaleinsatz der Zeitaufwand aller Prozesse im Arbeitsalltag um sage und schreibe 80% reduziert werden konnte.

13. Inhaltlich Autorität einer Website ist ein interessanter Aspekt. Wer z.B. viel (Aktuelles) zum einem Thema schreibt, relevante Websites verlinkt, und auch (aktuelle) relevante Randthemen abdeckt, signalisiert Google: Meine Website ist eine wichtige Ressource zum Thema XY (also behandle sie bitte auch so, indem du ihr gute Rankings dafür bescherst.) Und Google scheint dem in bestimmten Fällen tatsächlich nachzukommen. (…)

14. Wer programmieren kann, ist klar im Vorteil. Alle anderen kaufen sich fertige Tools.

15. Externer Dublicate Content (gleicher Inhalt auf verschiedenen Websites) ist nicht per se schlecht. Viele große Websites bestehen zu nicht unwesentlichen Teilen aus Dublicate Content (z.B. Meldungen von Nachrichtenagenturen) und erzielen auch Rankings/Einnahmen damit. 

Mein Fazit

Die SEO Campixx war absolut großartig und ich will nächsten Jahr wieder dort hin (und vielleicht auch eine Vortrag einreichen). Ich habe viele neue, interessante Leute kennengelernt. An dieser Stelle noch einmal Danke an alle für die vielen interessanten Gespräche.

Die Quintessenz, die ich aus allem gehörten und gesehenen mitnehme, bekräftigt im Prinzip meine im Laufe der Zeit entstandene SEO-Philosophie, die im weitesten Sinne auch auf einzelne Ziele von Google ausgerichtet ist:

„Google will das beste Suchergebnis zu einer Suchanfrage ausliefern? Also schaffen wir den besten Content zu einem Thema, den es im Netz gibt. Multiplikatoren in einer Nische wollen ihre Leser mit den heißesten News versorgen? Also schaffen wir diese News, lassen dies die Multiplikatoren wissen und bekommen Links. “

Dadurch erhalten wir gute Rankings und damit viele echte Social Signals, die - möglicherweise (sicher aber "eines Tages") auch unser Ranking positiv beeinflussen. Somit bewegen wir uns permanent weiter in der Aufwärtsspirale. Gleichzeitig profitieren wir von den vielen weiteren Vorteilen, die eine Integrierte Contentstrategie mit sich bringt, wie z.B. einer höheren Kundenzufriedenheit und einer Markenwahrnehmung in unserem Sinne.

Alles in allem geht es darum Mehrwerte zu liefern und Werte zu schöpfen. Du erntest was Du sähst. Das klingt vielleicht abgedroschen, alles andere fruchtet langfristig aber nicht.