SEMSEO 2013 – Konferenz im Wandel

von Anna Beglau
13.05.2013

Am 26. April 2013 fand zum siebten Mal die SEMSEO-Konferenz in Hannover statt. Im Congess Zentrum Wiennecke, am Rande der Stadt, trafen sich SEO-Kenner und -Interessierte. Neoskop war mit Nikolas Fleischhauer und Anna Beglau aus dem Online-Marketing dabei.

SEMSEO 2013 - Konferenz im Wandel

Anders als der Konferenzname vermuten lässt, war die klassische Suchmaschinenoptimierung nicht (länger) Hauptthema. Umso mehr standen Usability und Nutzerverhalten sowie alles rund ums Thema Content im Vordergrund der Konferenz-Beiträge. Besonders interessant: die wiederholte Betonung der Zielgruppenanalyse, der große Relevanz zugesprochen wurde. Es scheint für viele SEOs eine Umorientierung zu sein, nicht mehr den Google-Algorithmus, der das Ranking bestimmt, als das wichtigste oder gar einzige Ziel für Maßnahmen im Blick zu haben. Immer wieder hörte man auf der Konferenz vom "Faktor Mensch", der mehr berücksichtigt werden müsse, um bei Google zukünftig erfolgreich ranken zu können.

Worms in the brain ...

Der Titel der Eröffnungs-Keynote "Würmer im Gehirn" von Nadine Höchstötter machte neugierig. Im Mittelpunkt des Vortrags, der auf Nadines Dissertation basierte, standen allgemeines Suchverhalten und die Psyche von Nutzern. Ihre Untersuchungen zeigten auf, inwiefern das Suchverhalten von externen bzw. exogenen Faktoren beeinflusst wird. Wichtigste Einflussfaktoren seien demnach die klassischen Medien. Dass TV & Co. menschliches Verhalten beeinflussen, sei an sich nicht neu - innovativ und erfolgsversprechend sei es hingegen, dieses extern beeinflusste Verhalten für die Keyword-Recherche im SEO-Kontext zu nutzen. Nadine empfahl z. B. auf "Trends" in Serien und TV-Shows aus den USA zu achten, um diese dann später im deutschsprachigen Raum nutzen zu können.

Paradebeispiel und Namensgeber ihrer Keynote war das stark erhöhte Suchvolumen in den Vereinigten Staaten nach der Ausstrahlung einer Folge der Arztserie Grey‘s Anatomy, in der es um ein Krankheitsbild ging, bei dem "worms in the brain" diagnostiziert wurden. Ein derart erhöhtes Suchvolumen, das auf exogene Einflussfaktoren (besorgte Fernsehzuschauer) zurückzuführen ist, könne genutzt werden, indem man die jeweiligen Suchbegriffe als Keywords auf den eigenen Seiten platziere.

Weitgehend unklar blieb jedoch vor diesem Hintergrund, wie ein Unternehmen konkret Nutzen aus erhöhten Suchvolumen basierend auf gesellschaftspolitischen oder ähnlichen Ereignissen wie z. B. Tod, Rücktritt oder Wiederwahl eines Papstes ziehen kann.

Aldi und Lidl für den eigenen Traffic nutzen

Interessant war der Hinweis aus dem Plenum, dass die Printwerbung großer Handelskonzerne wie Aldi oder Lidl ebenfalls für ein besseres Ranking genutzt werden könne. Die Handelsriesen setzten aktuell noch sehr stark auf klassische Postwurfsendungen und Zeitungsbeilagen. Insbesondere Online-Shops könnten hier neues Potenzial für ihre Zwecke erschließen, wenn sie Hinweise zu aktuellen Artikeln aus diesen Werbungen in ihre Inhaltsseiten einbauten.

Es kann also gelingen, für bestimmte Longtail-Suchbegriffe wie "Aldi Zelt Angebot" in den Suchergebnissen gut zu ranken. Man kann davon ausgehen, dass Nutzer vermehrt nach diesen Begriffen suchen, wenn sie in der aktuellen Printwerbung zu finden sind. Dass Aldi & Co. aktuell scheinbar nicht viel Zeit und Geld in SEO investieren erhöht die Chancen hierbei.

Viele identische oder ähnliche Fundstellen in der lokalen Suche generieren Vertrauen beim Nutzer

Frank Fuchs von Valopex überraschte mit einem interessanten "bayrischen" Beitrag über die lokale Suche, in dem der Zuhörer nicht zuletzt einiges über Restaurants und Steinmetze im tiefsten Niederbayern erfuhr. Frank zielte in seinem Vortag nicht ausschließlich auf Google als Suchmaschine ab, er bezog auch die Konkurrenten Bing und Yahoo mit ein - schließlich war er bei beiden Google-Konkurrenten in der Vergangenheit angestellt. Er betonte aber auch, dass Portale wie Qype (jetzt yelp) oder Foursquare für die lokale Suche eine relevante Rolle spielten.

In der lokalen Suche sei es von besonderer Bedeutung, verschiedene Portale zu nutzen und die Inhalte nicht zu sehr zu variieren. Verschiedene Bilder, Preise oder Ortsangaben bei der Unternehmenspräsentation könnten schnell zu einer Verunsicherung beim Nutzer führen und den Erfolg mindern. Um eine möglichst konsistente Darstellung in lokalen Online-Suchnetzwerken zu gewährleisten, helfe laut Frank Fuchs (s)ein neues Tool: ypeas. Dieses ermögliche es, einen so genannten Findbarkeits-Index für eine lokale Unternehmung zu ermitteln und helfe dabei diesen zu erhöhen.

„Weniger Link-Aufbau mehr guter Content!“

— Motto auf der SEMSEO 2013

Der gesamte Nachmittag widmete sich inhaltlich ausschließlich dem Thema Content-Marketing. Verschiedene Referenten - darunter auch Sasa Ebach von Linkboosting und Marcus Hövener, Herausgeber des Magazins Suchradar - erläuterten ihre Praxiserfahrungen und Vorgehensweisen zur Entwicklung und Etablierung von Content-Strategien. Zur umstrittenen WDFpIDF Formel - die Texte für SEO perfektionieren soll - hatten die Vortragenden naturgemäß unterschiedliche Meinungen.

Eine Meinung teilten jedoch alle: Die WDFpIDF-Formel habe dazu geführt, dass viele wieder mehr über guten Content und insbesondere Texte reden und nachdenken. Kritisch wurde insbesondere angemerkt, dass es zu falschen Erwartungshaltungen führen könne, wenn zu hohe Ziele durch WDFpIDF optimierte Texte versprochen werden.

Fazit zur SEMSEO: Mehr Nutzer weniger Google

Matt Cuts, Head of Webspam bei Google, sagt oft, was für den Nutzer gut ist, das ist auch für Google gut - würde also gut ranken. Lange war dies für die alltägliche Arbeit eines SEOs aber eher zweitranig. Die SEMSEO 2013 hat nun den Nutzer wieder mehr in den Mittelpunkt gestellt. Für viele Online-Manager dürfte das nichts Neues sein. Für die SEO-Branche bedeutet es jedoch eine Art Umbruch. Letztlich hätten wir uns aber ein paar mehr Neuigkeiten rund ums SEO von der Konferenz erhofft. Denn das bei der Entwicklung einer Strategie zuerst die Ziele und Zielgruppen und dann die Maßnahmen entsprechend definiert werden sollten, war keine große Überraschung.

Uwe Tippmann, Geschäftsführer des SEMSEO-Veranstalters Abakus, gab im Nachgang zur SEMSEO bekannt, das Ziel in diesem Jahr sei der direkte Transfer von Know-how an die "Kunden-Seite" gewesen und Zukunftsthemen sollten nicht thematisiert werden. Unter diesem Gesichtspunkt war die SEMSEO eine gelungene Konferenz von der insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen vor Ort profitiert haben sollten. Schade nur, dass dies nicht im Vorfeld kommuniziert wurde. Beim nächsten mal könnte hier der Nutzer/Besucher mehr im Fokus stehen ;-) …

Dann freuen wir uns 2014 auch sehr auf die achte SEMSEO in Hannover!

Titelbild: Gerald Steffens