re:publica 2012 — drei Tage ACT!ON in Berlin

von Kai Nehm
10.05.2012

Was die re:publica nicht alles sein soll: Klassentreffen der Nerds, Kirchentag der Netzgemeinde, Versammlung für Blogger oder doch Deutschlands größte Konferenz für digitale und soziale Medien. Vom 02. bis 04. Mai 2012 waren Kai Nehm und Jan-Christoph Behre für uns in Berlin unterwegs, um auf der diesjährigen re:publica den Puls der digitalen Gesellschaft zu fühlen.

4000 Besucher bevölkerten die rund 20.000qm des alten Postbahnhofs “Station” am Gleisdreick in Berlin. Mit der neuen Location und einer stark gewachsenen Besucherzahl ist die re:publica deutlich erwachsener geworden. Mit größeren Bühnen geht allerdings auch die Zahl der Fragen aus dem Publikum zurück. Umso erfreulicher ist daher der Freiraum für Open-Spaces und das zentrale, lichtdurchflutete Atrium im Herzen der “Station” mit “Affenfelsen” und Steckdosen. Hier kann man zwischen den Sessions die vielseitigen Themen im kleinen Kreis weiter verfolgen und sich Empfehlungen für die kommenden Talks holen. Oder einfach Leute treffen, die man sonst nur unter Nicknames kennt und liest.

Trotz 350 Speakern bei über 200 Stunden Programm auf insgesamt acht Bühnen war ein Großteil der Talks für Einsteiger geeignet. Wer sich bereits in die vielseitigen Themen eingearbeitet hatte, konnte allerdings wenig wirklich Neues mitnehmen. Umso spannender war es, die Protagonisten einmal live zu erleben, um sich ein Bild von dem Mensch hinter der Tastatur zu machen. Grundhaltung, Empathie und Ironie lassen sich in geschriebener Form nur schwer vermitteln. So hat Tim Pritlove, Podcaster und Medienkünstler, den Reiz der Podcasts und des gesprochenen Wortes beschrieben - was für einen Live-Auftritt umso mehr gilt.

So breit das Themenspektrum ist, mit dem man an einem Tag konfrontiert wird, so schwer taten sich aus unserer Sicht die Medien mit der Berichterstattung über die re:publica - ganz gleich ob Online, TV oder Print. Da wurde schon mal die “gedruckte” Twitterwall mit der Programmübersicht verwechselt. Und auch schien die Frauenquote vor Ort deutlich höher als in diversen Medienberichten, dafür war die Zahl der Dauerblogger und -twitterer deutlich geringer als in den Bilderserien. Immerhin waren wir beim morgendlichen E-Mail-Check im “nachtmagazin” des ARD als - O-Ton des Senders - "Vorzeigenerds" zu sehen.

Man kann es kaum glauben, aber wer zeitig genug auf dem Gelände war, konnte noch eine halbe Stunde in des Genuss des WLANs kommen, bis dies wie üblich unter Überlastung zusammenbrach. Zugegeben, ganz wenige Verhaltensweisen haben wir außerhalb der re:publica noch nie beobachten können. Dazu zählen fotografieren mit dem iPad und das offene Tragen von Akku-Packs, was sicher dem lobenswerten Gratis-Verleih von simyo geschuldet war.

In ihrer Gesamtheit betrachtet war die re:publica 2012 ein spannender wie bunter Querschnitt durch alle Facetten des digitalen Lebens, die auch nächstes Jahr wieder einen Besuch wert sein wird. Wer nicht mit der Erwartungshaltung nach Berlin fährt, einen Katalog aus Handlungs- empfehlungen an die Hand zu bekommen, wie er in Zukunft im Netz zu agieren hat, wird hier viel Spaß haben. Und diejenigen, die miterleben möchten, wie die Netzgemeinde tickt, werden zahlreiche Ideen sammeln und diese Impressionen zu einem großen Ganzen - auch für ihren Berufsalltag - verschmelzen können.

Neoskop ist bereit für die re:publica 2013, wenn es wieder heißt: ACT!ON in Berlin. #rp12