ReCap zur dmexco 2017: AI auf dem Vormarsch

von Sarah Lehneke
15.09.2017

Unter dem Motto “Lightening the Age of Transformation“ lockte die dmexco bereits zum neunten Mal tausende Besucher und zahlreiche Aussteller aus dem In-und Ausland nach Köln. Projektmanagerin Sarah twitterte vor Ort und fasst ihre Eindrücke im Blog zusammen. 

Besucherrekord trotz kostenpflichtiger Tickets

Wer sein dmexco Ticket nicht rechtzeitig bestellt hat, konnte in diesem Jahr bis zu 399€ auf den Tisch legen. Trotzdessen konnte die Leitmesse der Digitalbranche auch in diesem Jahr wieder den Besucherrekord knacken: Mit über 50.000 Besuchern, über 1000 Ausstellern und rund 570 Top-Speakern, bleibt die Digital Marketing Exposition and Conference, kurz dmexco, trotz kritischer Stimmen, eines der wichtigsten Events der Digitalwirtschaft. 

KI und das Zeitalter der Sprachassistenten

Wie der Name bereits offenbart, ist die dmexco nicht nur Messe, sondern auch Konferenz. Aus einer Vielzahl von Sessions in unterschiedlichen Formaten (Keynote, Workshops, Seminare) und Räumlichkeiten konnte man sich eine personalisierte Agenda – per App – zusammenstellen. Dabei waren die Top-Themen schnell identifiziert: Ein Großteil der Sessions dreht sich um das Hype-Thema Künstliche Intelligenz und die damit einhergehenden Anwendungen wie Chatbots und Sprachassistenten (Amazon Echo, Google Home, Apple HomePod) und Programmatic Advertising. Arbeitswelt 4.0,  Influencer- und Content-Marketing waren außerdem häufige Themen in zahlreichen Vorträgen. 

Paradigmenwechsel im Marketing

Die Digitalisierung bedeutet nichts Geringeres als ein Paradigmenwechsel im Marketing. Es geht schon lange nicht mehr um Vermeidung von Streuverlusten und einen möglichst geringen TKP oder viel Reichweite. Der Marketing Manager (oder auch Marketing Engineer), steht vor der Aufgabe, aus der Vielzahl an Tools und Technologien das Passende zu finden und dabei nicht aus den Augen zu verlieren, dass diese immer nur Mittel zum Zweck sein können.

Common Sense: Customer Centricity ist der Schlüssel zum Erfolg (Überrraschung!) und es ist längst an der Zeit, die riesigen gesammelten Datenmengen (Stichwort Big Data) strukturiert auszuwerten und nutzbar zu machen. Die KI-Technologie wird als Heilsbringer der Stunde betrachtet - obwohl noch in den Anfängen, gilt die Technologie als Wunderwaffe, um die Datenmassen real-time auszwerten. Marketing Automation wie beispielsweise durch Programmatic Advertising soll es ermöglichen, dem Kunden die passende Botschaft über den richtigen Kanal zum richtigen Zeitpunkt auszuliefern um damit, das im Besten Fall auch emotional aufgeladene Produkt oder Dienstleistung, an den Mann bzw. die Frau zu bringen. 

Empowering: Diversity und Equality

Apropos Geschlecht: Bei allen Sessions wurde sehr genau auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis geachtet. Waren zu viele Männer auf der Bühne oder dem Podium vertreten, wurde kurzerhand eine Frau aus dem Publikum auf die Bühne gebeten um mitzudiskutieren (aber bitte unter 25 ;)). Mithilfe erfolgreicher Top-Management Frauen aus dem vornehmlich männlich und weiß geprägten Silicon Valley wie Sheryl Sandberg (Facebook) oder Katharina Borchert (Mozilla) und Partnern wie The Female Quotient, Refinery29 und der Woman Speaker Foundation, möchte die dmexco dem Thema Diversity und Equality Rechnung tragen.

Besonders hervor trat Shelley Zalis (Gründerin von The Female Quotient), die in vielen Talks deutliche Worte fand. Als beeindruckende Persönlichkeit ist bei mir  Shermin Voshmgir (BlockchainHub) hängen geblieben. Sie erlebte die Islamische Revolution unter Ajatollah Chomeini und floh in den 80er-Jahren mit ihren Eltern nach Wien und studierte Wirtschaftsinformatik sowie Drehbuch & Schauspiel. Somit prallt bei der Blockchain-Revolutionärin die Kritik an der dezentralen-Technologie ab – sie ist überzeugt vom Potenzial und dem demokratisierenden Effekt der Blockchain-Technologie. 

Everything is connected!

Und nun? Zunächst einmal bleibt die Erkenntnis hängen, sich nicht zu viel vorzunehmen und sich ggf. auf ein Themengebiet zu beschränken. Als Projektmanagerin interessiere ich mich natürlich für alle Disziplinen der digitalen Wertschöpfungskette ;)

Auf dem riesigen Messegelände kann es schon einmal bis zu einer halben Stunde dauern, um von A nach B zu kommen. Orientierungsschilder waren da auch nicht immer hilfreich, wie auch usability.de in einen passenden Tweet bemängelte: 

Bei der immensen Themenvielfalt und knapp bemessenen Zeit der einzelnen Vorträge bleibt es natürlich nicht aus, dass viele Themen nur oberflächlich besprochen werden können. Dass die Vorträge und Sessions teilweise sehr werblich daherkommen sollte bei einer (Marketing)-Messe mittlerweile niemanden mehr überraschen. Die rasante technologische Entwicklung verschafft dem Marketing unendliche Möglichkeiten. Das erhöht natürlich auch die Komplexität – ermöglicht aber auch vermeintlich getrennte Disziplinen zusammen zu denken. Beispiel: KI-Technologie und Customer-Service. KI macht es möglich, die Vielzahl an Kundenbewertungen zu strukturieren und damit Learnings für besseren Service zu generieren. 

Schreibt man sich Customer Centricity auf die Fahne, muss man auch disziplinübergreifend denken, damit man Kunden wirklich verstehen und gezielt ansprechen kann. Daher führt für mich zumindest eine Kritik an der dmexco, sie bilde ein zu großes Themenspektrum ab, ins Leere, denn: everything is connected!

Apropos Komplexität: Dass die Digitalisierung auch Unsicherheit und ein gewisses Beratungsbedürfnis hervorruft, haben auch Consultingfirmen schnell erkannt. So waren in diesem Jahr erstmals auch Aussteller wie Accenture, Deloitte Digital und das Handelsblatt dabei.