Beyond Tellerrand 2015, Treffpunkt: Berlin Mitte

von Nele Hüttermann
09.11.2015

Webdesign aus einem anderen Blickwinkel betrachten, Zusammenhänge verstehen, internationalen Speakern lauschen – einfach mal über den Tellerrand schauen. Die ausverkaufte Beyond Tellerrand Konferenz fand vom 2. bis zum 4. November in Berlin statt. Designerin Nele Hüttermann war bei dem großen Andrang dabei – zum Glück, wie sie findet.

Konferenz rund um Webdesign

Die ausverkaufte Konferenz bot, was sie versprach: Über den Tellerrand zu schauen. Im prachtvollen und denkmalgeschützten Admiralspalast in Berlin Mitte wurde ein weites Spektrum an Themen diskutiert. Unser Lob geht an Marc Thiele, Veranstalter der Konferenz, für die gute Auswahl an Sprechern. Die Themen waren breit gefächert. Es gab 13 Talks - von der Banknotenerstellung bis hin zu Gründungstipps für die eigene Agentur. Nach jedem Beitrag hat DJ Tobi Lessnow (@tobilessnow) die O-Töne der vorherigen Speaker in einen tollen Mix verwandelt. Das schaffte eine nette Atmosphäre. Viele der Vorträge wurden liebevoll und sehr anschaulich als Sketchnotes zusammengefasst und auf Behance zur Verfügung gestellt.

Keynote: Design und Performance von Steve Souders und Mark Zeman

"Fast is good“ – da sind sich Designer und Entwickler einig. Dennoch ist es eine ewige Kissenschlacht. Ständig geht es darum, Kompromisse zu machen und die eine oder andere Seite dabei leiden zu lassen. Ist es nicht möglich, gute Resultate auf beiden Seiten zu erzielen? Laut Steve Souders und Mark Zeman ein eindeutiges „Yes“, was sie mit Ihrem Projekt Tourism New Zealand unter Beweis gestellt haben. Hier wurde ein Zeitraffer-Video auf einem Onepager gezeigt, das sie mit mehreren Sprite Sheets und einem Parallax Effekt realisiert hatten. So konnten sie aus 25 MB Videos ein paar KBs machen.

Wichtig für dieses gute Ergebnis war folgende Arbeitsmethode:

  • Small interdisciplinary teams: Teamwork muss größer geschrieben werden, Experten aus unterschiedlichen Bereichen sollten enger zusammenarbeiten (Design, Frontend, Backend, ...)
  • Guiding Principles: Schnelligkeit und Verbindlichkeit stehen hier im Vordergrund
  • Prototype early: die Designer sollten schneller vom Photoshop wegkommen, um gemeinsam erste Prototypen zu erstellen

Wichtig ist es, den Content so aufzubereiten, dass die relevantesten Inhalte dem User zuerst gezeigt werden. Zum Beispiel der neuste Tweet, der ausgewählte Artikel bei Amazon, etc. GoogleMail wurde als schlechtes Beispiel erwähnt, da die lange Ladezeit des Postfaches optimierungsfähig ist. Die eigene Webseite kann man gut mit www.webpagetest.org testen. Als Tool eignet sich auch Speed Curve, das anhand eines Zeitstrahls anzeigt, was zu welchem Zeitpunkt geladen wird.

„We are designing timelines not static pages.“

— Steve Souders und Mark Zeman

Keynote: Physical Web von Scott Jenson und Melanie Rieger

In seiner Keynote begann Scott Jenson, Produktstratege von Google, mit einer Bilanz, wie Internet im Alltag benutzt wird. Die beiden Speaker riefen zum gemeinsamen Entwickeln des technischen Webs auf.

Mit Hilfe eines Beacons kann das Hindernis zwischen Information und mobilen Endgerät bewältigt werden. Kein lästiges installieren mehr von Service-Apps, kein einscannen von QR-Codes, langes suchen der Busabfahrtszeiten, etc. Informationen, Services und weitere Funktionen, die in der Nähe benötigt werden, können nun direkt an das mobile Endgerät gesendet werden. Und zwar ohne dabei mit dem Internet verbunden zu sein.

„Lets build the physical web together!“

— Scott Jenson

Interface Design Bootcamp mit Aarron Walter

Der Workshop von Aaarron Walter, UX Direktor bei MailChimp, beschäftigte sich mit Prozessen und Tools für ein gutes Interface Design. In kleinen Teams sollte eine Idee für eine Event-App herausgearbeitet werden. 

Die Vorgehensweise:

  • User Research: Mit Umfragen, Interviews, Lab Testing, etc. (Concept for MailChimp Redesign Project)
  • Jobs to be done: Arbeiten aus dem Blickwinkel der Kunden (www.jobstobedone.org). In kleinen Gruppen haben wir eine Person befragt, um deren Kundenbedürfnisse herauszufinden. Anschließend sollten wir dieses Bedürfnis in einem Satz formulieren, welches danach mit einem Sketchboard visualisiert wurde.
  • Prototyping: Hier wurden einige Tools von Aaron Walter vorgestellt, wie beispielsweise: Invision AppFlintoKeynote KungfuLukewMustache Github, etc. 

Unser Fazit

Unter anderem wurden 132 Liter Kaffee, 98 Liter Softdrinks, 161 Liter Waser, 209 Liter Bier und 115 Brezeln konsumiert (Quelle: top secret). Natürlich nicht alle von uns. Wir waren mittendrin und hatten wirklich drei schöne abwechslungsreiche Tage. Die 13 Keynotes waren interessant und unterhaltsam. Einfach mal über den Tellerrand schauen - und somit unseren internen Workflow aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Wir können die Beyond Tellerand Konferenz sehr empfehlen und raten allen Interessierten, sich rechtzeitig Tickets zu besorgen. 

Titelbild: Martin Perlach