Alles im Griff?! Die PM-Welt 2017

von Clara Ehrmann
07.04.2017

Auf der PM-Welt fühlt sich der Projektmanager verstanden. Endlich ist er unter Seinesgleichen und kann sich über sein Lieblingsthema austauschen – Projekte. Am 30. März konnte dieses Jahr das Zusammentreffen der Community auf der PM-Welt in München beobachtet werden. Persönlich mit dabei war unsere Projektmanagerin Lara und hat die neuesten Erkenntnisse mitgebracht.

Alles im Griff?!

…lautete das Motto der diesjährigen PM-Welt, einer Konferenz, die nun zum zweiten Mal vom Projekt Magazin ausgerichtet wurde. Das Fachportal ermöglicht die größte deutschsprachige Zusammenkunft von Projektmanagern. Doch warum dieses Motto? Alles im Griff, klar, aber warum folgt dahinter ein zweifelndes Fragezeichen?

„„Die Vorstellung des Projektleiters, der zu jedem Zeitpunkt alles im Griff hat, ist überholt. Gute Projektleiter passen sich der Situation an. Sie kennen nicht nur die eigenen Stärken und Schwächen, sondern auch die eines jeden einzelnen Projektmitglieds… Auch scheuen sie sich nicht, ihr Vorgehen und ihre Taktik, falls nötig, anzupassen.““

— Daniel Vienken für das Projekt Magazin

Es ging also darum, wie Projekte trotz eines komplexen Umfelds sicher gemanagt werden können. Kein perfektes, aber ein agiles und flexibles Handeln ist gefordert. Und an diesem Credo orientierten sich natürlich auch die 18 Speaker, drei Vortrags-Streams, zwei Workshops sowie Produktvorträge der diesjährigen PM-Welt. 

Pure Magie

Einer von insgesamt drei Vortrags-Streams drehte sich um die spannende Frage: Klassisch – Agile – LeanWie finde ich den richtigen Ansatz für mein Projekt? Hier berichteten die Speaker über ihre Key Learnings. Außerdem sprachen sie über häufige Fehlerquellen bei der Einführung agiler Arbeitsweisen in Unternehmen.

Schnell wurde klar, dass es keinen klischeehaften Kampf mehr zwischen Agilen und Traditionalisten gibt. Schon jetzt ist man sich auf diesem Gebiet darüber einig geworden, dass klassische Auffassungen des Projektmanagements überholt sind. Daher lag der Schwerpunkt der Referenten vielmehr auf der Auswahl der richtigen Methode – je nach Projekt(-situation). Den Anfang machte Valentine Vierne, Agile Projektmanagerin beim Shopping-Riesen Zalando, und referierte über das Thema Radical Agility: Autonome Teams, gemeinsame Projekte.

„„Radical Agility bedeutet bei uns: Fail quick and often, aber lerne daraus!““

— Valentine Vierne, Zalando

Bei Zalando arbeite man hauptsächlich agil in Kombination mit klassischen Vorgehensmodellen. Manche Projekte – wie der Aufbau neuer Logistik-Zentren – müssten schon allein aus Compliance-Gründen mit dem klassischen Wasserfall-Modell umgesetzt werden. Manchmal könne gar nicht genau bestimmt werden, was die ausschlaggebenden Gründe für eine erfolgreiche Durchführung eines Projekts seien – manchmal einfach „pure Magie“.

Warum Sie mit Scrum keinen Erfolg haben werden

Mit dieser provokanten Headline ging der Geschäftsführer und Executive Agile Coach von agilecoach.de, Marc Bless, an den Start. In seinem Vortrag kamen typische Probleme bei der "Agilisierung" von Unternehmen und der Einführung von Scrum zur Sprache.

„„Die deutsche Perfektion, eine häufig fehlende Fehlerkultur sowie Stammtisch-Retrospektiven führen zu Problemen bei der erfolgreichen Einführung von Scrum in Unternehmen.““

— Marc Bless, agilecoach.de

Für eine gelungene agile Transition eines Unternehmens hat Bless zwei Tipps, die im Vorhinein beachtet werden sollten:

  1. Machen Sie sich klar, was Ihr Unternehmen konkret mit der Einführung agiler Arbeitsweisen bezweckt
  2. Schaffen Sie Bewusstsein für agile und leane Prinzipien

Der agile Projektleiter

Ist der Projektleiter noch im Driverseat? Diese Frage treibt die PM-ler Deutschlands schon lange um und wurde von Claus Kolb – IT-Projektleiter, Scrum Master und Agile Coach – in seinem Vortrag aufgegriffen. Er teilte seine Erfahrungen hinsichtlich der Rolle des agilen Projektleiters als Bindeglied zwischen Scrum und klassischem Umfeld. Wie können Projektleiter im agilen Umfeld sinnvoll eingesetzt werden und mit den Scrum-Rollen zusammenarbeiten? Wie verändert sich die Rolle des Projektleiters und die Abwicklung von Projekten?

„„Die Rolle des agilen Projektleiters ist das passende Bindeglied für Unternehmen, die agile Methoden nutzen und weiterhin das klassische Projekt als zentrales Mittel begreifen.““

— Claus Kolb

Fazit

Die tiefgründigen Erkenntnisse, die auch die PM-Welt 2017 brachte, hat schon Thassilo Kubitz in seinem Artikel für akquinet auf den Punkt gebracht: Für ihn kombiniert der erfolgreiche Projektleiter wie ein Komponist situationsabhängig die richtigen Methoden und Soft-Skills für das jeweilige Projekt (und den Kunden). Außerdem sei er in der Lage, flexibel auf Änderungen zu reagieren. Der Mensch solle dabei stets im Fokus stehen.

„„Die PM-Welt hat dieses Jahr den Anstoß gegeben, das eigene Handeln und Denken kritisch zu reflektieren und persönliche Ziele neu zu stecken.““

— Lara Kompa, Projektmanagerin bei Neoskop