Von Daniel Szesniak Donnerstag, 05. März 2015

Online Marketing Rockstars 2015 - Part: Conference

Unter dem Titel „State of Digital Marketing - Rockstars goes Festival“ versammelten sich am 26. und 27. Februar 2015 rund 2.500 Online Marketer, um sich über aktuelle Branchentrends auszutauschen. Am ersten Tag standen erstmalig Networking und Praxisfortbildung in Form von Expo & Masterclasses im Fokus. Am zweiten Tag fand die eigentliche Konferenz statt, bei der wieder einige internationale Top-Speaker der Online Marketing Branche vertreten waren.

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OMR in der Höhle des Löwen

Vom Hotel zum Schiff-Shuttle und diesmal dank Akkreditierung am Vortag vorbei an den wartenden Massen, bahne ich mir meinen Weg durch rund 2.500 Online Marketing Rockstars und solche, die es werden wollen. Das Stage Theater am Hamburger Hafen ist gut gefüllt. Links auf der Bühne eine Bar (!) mit echtem Barkeeper und 3 Hockern, rechts ein einsamer Gitarrenspieler. Statt Simba und Mufasa begrüßt uns ein gut gelaunter Philipp Westermeyer, Gründer der OMR und Co-Founder von metrigo. Philipp, den ich bereits seit meiner Teilnahme am Online Marketing Camp für einen genialen Entertainer und Moderator halte, hat wieder keine Kosten und Mühen gescheut und einen bunten Blumenstrauß an internationalen Speakern sowie ein paar Überraschungen für den Konferenztag vorbereitet. Man fragt sich allerdings, ob er letztes Jahr noch toppen kann?

„Being a content marketing animal“ - Gary Vaynerchuk

Let the show begin! Nach ein paar Worten von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz übernimmt der Content-Marketing-Stratege Gary Vaynerchuk den ersten Speakerslot des Tages. Gary erklärt mit viel Witz und Elan wie er selbst zu einem „Content Marketing Animal“ wurde. Dabei erinnert er sich melancholisch an die guten alten Zeiten, in denen man noch über lahme Modems im Web surfte und ohne Probleme Klickraten von über 70% bei E-Mailings erzielen konnte. Melancholische Stimmung breitet sich aus, Gary hat schnell die Herzen des Publikums für sich gewonnen. Dann ein paar mahnende Worte von ihm: Er erinnert in diesen schnelllebigen Zeiten daran, dass das wertvollste Gut immer noch Zeit ist und vergleicht Smartphones mit Drogen. Nachdem er sich ausgiebig über nervige Samsung Pop-up Banner und dumme Marketer ausgelassen hat, schließt er mit folgenden Zukunftprognosen: Instagram wird Facebook als leitendes Social Network in absehbarer Zeit ablösen und „Smart Pants“ werden die Welt erobern.

Learnings von Gary Vaynerchuk:
1. Sobald Marketingmaßnahmen skalierbar und messbar werden, werden sie von allen genutzt und lohnen sich dann deutlich weniger als vorher.
2. Die offene API von Instagram eignet sich hervorragend, um die wichtigsten Influencer in einem speziellen Gebiet ausfindig zu machen, um diese ggf. als Multiplikator zu gewinnen.
3. Man sollte stets 80% seines Budgets in seine lukrativsten Marketingmaßnahmen stecken und 20% in innovative Möglichkeiten investieren.

Nicht nur Kätzchen gehen viral - Die Wissenschaft zu viralem Marketing

Deutlich wissenschaftlicher-sachlicher geht es in die zweite Runde. Thales Teixeira von der Harvard Business School gibt eine Nachhilfestunde in Sachen Viralmarketing und zeigt uns seine teilweise sehr interessanten Studienergebnisse. Wir lernen, dass Menschen nicht von Werbung überredet werden möchten, bestimmte Produkte oder Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Eine zu offensichtliche, aufdringliche Platzierung von Brand Logos führe laut Thales nachweislich zu weniger Interesse beim Endverbraucher.

Wer übrigens dachte, dass nur Kätzchen, Babies und Co. in viralen Werbespots enthalten sind, der irrt: „There are more ads that go viral without kitten, babies et cetera than with those things“, bekräftigt Thales. Humor an sich ist jedoch eine sehr wichtige Zutat für virale Spots und funktioniere deutlich besser als schockierende Werbung.

„Digital Marketing is changing the Hollywood ecosystem“

Tobias Bauckhage erzählt uns etwas über die Entwicklung von moviepilot.

Das Bo als Hausmeister

Kurzes Intermezzo von „Das Bo“ im Hausmeister-Outfit, der nachher noch auf der Aftershow im Uebel & Gefährlich aufgelegt hat.

Inside Pinterest

Pinterest-Gründer Evan Sharp stellt sich danach ein paar Fragen zu seinem Werdegang und seinen Zukunftsplänen für seine immer beliebter werdende Plattform.

Er bekräftigt nochmals, dass es bei Pinterest nicht ums Teilen geht, in seinen Augen sei die Plattform eher als visueller Bookmarking-Dienst zu verstehen. Bei über 70 Millionen Usern wird Pinterest auch zunehmend für Marketer interessant. Evan dementiert jedoch die Gerüchte, er plane in nächster Zeit einen Kaufbutton zu integrieren.

Als nächstes kommt Benjamin Bak, Gründer der beliebten Dating-App „Lovoo“ auf die Bühne. Sehr sympathisch: Philipp Westermeyer stürmt nach einem etwas holprigen englischen Start des Talks auf die Bühne und überredet Benjamin, doch einfach auf Deutsch weiterzumachen. Es folgt die Erfolgsgeschichte von Lovoo. Diese wird umso beeindruckender, als Benjamin betont, sein Business bisher komplett ohne Venture Capital aufgebaut zu haben. Dann noch ein kurzer Sneak-Peak in die neue Version der App. Diese soll deutlich sozialer werden und Chatten, Bilder und Videos mehr in den Fokus rücken.

Liz Eswein erreicht mit ihrem Instagram-Account @newyorkcity über 1,2 Millionen Follower und wird von der Digiday als einflussreichste Person auf Instagram bezeichnet. Sie unterstreicht die Wichtigkeit von Storytelling, wenn man auf Instagram erfolgreich werden möchte. Liz selbst kreiert immer wieder so genannte Microstories, um die Werbung ihrer Kunden erfolgreich zu platzieren. Dass sie damit Erfolg hat, zeigt der Kundenstamm ihrer Agentur „The Mobile Media Lab“, zu dem inzwischen auch namhafte Kunden wie Armani, Jaguar, Expedia, Puma, Sony und Samsung zählen.

„1-2 posts per day, utilize influencers to develop content, stick to a theme, engage with the community and tell a story!“

Shaul Olmert, Gründer und CEO des israelischen Startups Playbuzz - inzwischen zweitgrößter Publisher auf Facebook - gibt ein paar spannende Studienergebnisse preis: 78% aller User lesen keine ganzen Artikel, 23% scrollen nicht einmal. Man solle sich bei seinen Sharing-Buttons auf die Social Networks konzentrieren, auf denen seine Zielgruppe am meisten interagiert. Weniger ist eben manchmal mehr, meint Shaul.

Survival of the fittest - SEO doch keine bedrohte Art?

Beim SEO-Panel wird alljährlich daran erinnert, dass SEO immer noch lebt und wichtig ist. Schade eigentlich, dass man daran jedes Jahr aufs Neue erinnern muss - aber irgendwie auch beruhigend für mich als SEO-Manager, dass diese Online Marketing Disziplin sich immer noch als Anker in dieser schnelllebigen Branche manifestiert. Dieses Jahr ist ein besonders starkes SEO-Quartett auf der Bühne vertreten.

Andé Alpar, einer der erfahrensten deutschen SEOs und Gründer der SEO-Agentur AKM3, stößt seinen frisch gemixten Gin Tonic mit Kris Jones an, seines Zeichens Local SEO-Experte, erfolgreicher SEO-Bestseller Autor und erfolgreicher Business Angel. Dahinter der als @Mediadonis bekannte Marcus Tandler, Geschäftsführer vom erfolgreichen deutschen SEO-Tool Onpage.org, neben Mike King, ehemaliger Marketing Director bei Agenturen wie Publicis und Razorfish sowie moz.com Blogger. Mike beeindruckt das Publikum übrigens bei seiner Vorstellung mit einem auf SEO und Content Marketing abgestimmten Acapella-Rap, der sich gewaschen hat - RESPECT! PS: Please let me know if sb made video or transcript of the lyrics… ;)

Krawall und Remmidemmi: Deichkind rockt die #OMR15!

What a great show! I love #OMR15 ! #Deichkind

Ein von Daniel Szesniak (@dan_sze) gepostetes Video am

Zum Abschluss erzählt uns Wacken-Chef Holger Hübner, ein echtes „Original“, wie das heute weltgrößte Metal-Festival groß geworden ist. Mit seiner lockeren Art und einem sehr sympathischen Slang schafft er es, die Online Marketer zu begeistern und die Veranstaltung in gewisser Weise wieder zu erden.

Fazit

Wieder eine gelungene Veranstaltung! Danke an Philipp Westermeyer und alle Beteiligten, dass ihr der Online Marketing Branche jedes Jahr so ein cooles Event bietet. Für mich genau die richtige Mischung aus Networking, Knowledge und Entertainment. Die Aftershow-Party im Uebel + Gefährlich war natürlich auch wieder legendär. Was es noch zu verbessern gibt? Auf Mettbrötchen und Stinkekäse als Anti-Networking-Snacks verzichten, größere Räume für die Masterclasses bereitstellen und das Warmup vielleicht auf eine Location verlegen, bei der nicht gleichzeitig die Messestände abgebaut werden. Ansonsten kann man nur sagen: Weiter so und bis nächstes Jahr!

Bildnachweis: Daniel Szesniak, Online Marketing Rockstars