Von Daniel Szesniak Mittwoch, 05. März 2014

Der längste [Recap] der Welt? - Ein Roundup zu den Online Marketing Rockstars 2014

Am 21. Februar 2014 hat sich die deutsche Marketingbranche zu den 9. Online Marketing Rockstars im Hamburger Stage Theater versammelt. Daniel Szesniak, Online Marketing Manager bei Neoskop, war dabei und hat die Vorträge der über 20 national und international bekannten Speaker zusammengefasst.

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Hamburg, Landungsbrücken. Es ist Freitag, der 21. Februar 2014 und rund 2.000 Kollegen aus der Online-Marketing-Szene setzen bei malerischem Sonnenaufgang nach und nach mit den vom Veranstalter gebuchten Fähren zur Event-Location über. Ein gelungener Auftakt für das diesjährige Event Online Marketing Rockstars im Stage Theater am Hamburger Hafen!

Das straff durchgetaktete Programm forderte im Vorfeld ausdrücklich “sauberes Planen”, damit es pünktlich um 9:00 Uhr mit der Begrüßung losgehen kann. Um 9:15 Uhr und beim (gefühlten) 150. Läuten des Pausengongs hat es jedoch erst gut die Hälfte der Teilnehmer bis in den riesigen Saal geschafft und dort Platz genommen. Die 15-minütige Bootsfahrt, lange Schlangen beim Check-in und ein gehetzter Kaffee schlucken eben mehr Zeit als die meisten - inklusive des Veranstalter-Teams - im Vorfeld eingeplant haben. Die knappe halbe Stunde Verspätung ist jedoch schnell vergessen als die Lichter ausgehen und Audi mit einem basslastigen Action-Spot die OMR eröffnet. OMR-Initiator und Moderator Philipp Westermeyer begrüßt das Publikum und weckt Hoffnungen auf einen spannenden und abwechslungsreichen Tag mit einigen Überraschungen - und er verspricht definitiv nicht zu viel.

Digital Marketing Magic - Jonah Peretti

Wie steigere ich meine Reichweite im Netz?

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Mit Jonah Peretti, Mitbegründer der Huffington Post und Gründer von BuzzFeed, betritt gleich zu Beginn ein wahrer Rockstar der Branche die Bühne. Peretti ist zum ersten Mal in Deutschland und gibt kurze, knackige Hinweise dazu, wie man seine Inhalte im Internet verpacken muss, damit sie gut performen. Er lässt zudem Pläne durchscheinen, noch in diesem Jahr mit einer deutschen Version von BuzzFeed starten zu wollen.

Peretti führt das Publikum in der humorvollen Präsentation durch seine eigenen Erfahrungen und Entwicklungsschritte. Dabei erntet er nicht nur viele Lacher bei den Verrenkungen wegen einer nicht funktionierenden Fernbedienung, sondern auch für ein altes Projekt namens rejectionline.com. Dabei handelt es sich um eine Hotline, die dem Anrufer über eine automatische Telefonansage deutlich macht, warum genau der gewünschte Kontakt nicht persönlich mit dem Arufer sprechen möchte.

Interessante Infos und Ratschläge hat Peretti auch mitgebracht. So verfügt sein Erfolgsportal buzzfeed.com mittlerweile über 120 Mio. monthly unique user. Über 75% kommen über soziale Medien und mehr als die Hälfte über mobile devices. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass Peretti folgenden Hinweis äußert:

“Your content can’t spread if your content is not sharable via mobile web.”

Die Top 10 Learnings, auf die Jonah Peretti explizit hinweist, im Überblick:

  1. Try different things on the internet and become an expert in (funny) special topics

  2. Content is about identity - you like to share content which you can identify with and your friends can learn about yourself from your shared content

  3. Things that work on the internet in cause of generating human nature feelings: cute animals, hilarious content (e. g. a picture of yoghurt that fell off while minor earthquake in NYC), human rights topics

  4. The reproduction rate of web content is similar to the viral spread in real life

  5. Accelerate the promotions of content that is about to spread

  6. Change the look of the page depending on where the user is coming from

  7. Pictures can build a bridge of emotions between you and your friends

  8. Companies have to think about sharables content and get up to 10x higher CTRs than on normal display ads --> word of mouth is a very effective way of advertising

  9. Social publishing is an art, science and business --> first, you have to understand your platform

  10. People start to share long form content which is great for high quality content

Remarks on Search Engine Advertising - Ben Edelman

Wie hat sich Google über die Jahre entwickelt?

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Google-kritische Töne werden von Ben Edelman, Professor an der Harvard Business School, angestimmt. Er zeigt sehr anschaulich die Entwicklung der Google SERPs über die letzten Jahre anhand einer Reihe von Screenshots auf. Dabei wird schnell deutlich, wie sehr die organischen Suchergebnisse durch Anzeigen und Knowledge Graph Features immer weiter verdrängt werden. Google strebe mehr und mehr an, sich vom Antworten-Aggregator zum direkten Beantworter für Suchanfragen zu verwandeln, so Edelmann. Die meisten Websites dürften dann nur noch als simple Datenquelle für Google dienen.

Mal weitergedacht: Google liefert bald direkt die Antworten auf alle Fragen und vollständige Bestellprozesse werden zukünftig direkt über Google abgewickelt. Dieses Szenario bedeutet einen ungeheuren Kontrollverlust für Website-Betreiber. Diese wären dann noch stärker auf Google als wichtigsten Traffic-Zubringer angewiesen als ohnehin schon und müssten beim Tracking ihrer Besucher auf Google Analytics zurückgreifen. Trackingpixel anderer Dienstleister auf der eigenen Website unterzubringen würde dann nur noch wenige aussagekräftige Daten liefern und wäre im Prinzip überflüssig.

Ben Edelman rät Benutzern von Google AdWords, sich insbesondere bei Brand Kampagnen nicht von guten CTRs blenden zu lassen. Gibt beispielsweise ein User “expedia” direkt im Browser ein, landet er nicht etwa auf expedia.com, sondern (im Firefox bei entsprechenden Browsereinstellungen) in den Google SERPs. Wenn er nun auf die an erster Position stehende kommerzielle Ad für “expedia.com” klickt, verfälscht der User die AdWords Statistik, da er diese Website ohnehin aufrufen wollte.

Die Deutschen bekommen von Edelman zum Abschluss ein besonderes Lob, da sie die Einzigen seien, die ihre Privatsphäre sehr ernst nähmen und viele Prozesse genauer betrachten würden, als es die meisten anderen Staaten täten.

Display Advertising - hotter than Search? - Christoph Schäfer

Warum ist Display Advertising aktuell so erfolgreich?

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Als Gründer der Agentur Performance Media haben Christoph Schäfer und sein Team bereits mehr als 100 Millionen Euro an Werbeetats in Display-Ad-Kampagnen investiert. Dieser Sachverhalt verleiht Schäfer eine gewisse Glaubwürdigkeit, wenn er dem Publikum im Laufe seines Vortrags deutlich macht, dass Display Advertising einer eher rosig gefärbten Zukunft entgegenstrebt.

Schäfer erinnert daran, dass die CPOs früher teilweise höher als die tatsächlichen Margen pro Bestellung waren. Die Streuverluste waren einfach zu groß. Intelligente Targetingmechanismen sorgen heute dafür, dass zwar weniger Display Ads geschaltet werden, dafür erfolgt die Schaltung jedoch viel zielgerichteter, so Schäfer. Je intelligenter das Targeting desto teurer das Ausspielen der einzelnen Ads - aber desto weniger Ads müssen am Ende auch tatsächlich ausgespielt werden.

In den vergangenen 18 Monaten haben sich laut Schäfer die CPOs bei Display Ads halbiert. Aufgrund der hohen Reichweite und Nutzungsintensität entfallen mittlerweile ca. 30% der Display Ads auf Facebook mit seinen facettenreichen Targeting-Möglichkeiten. Die mit Abstand besten CPOs gibt es jedoch im Bereich Mobile zu holen. Hier ist die Konkurrenz einfach noch sehr überschaubar und entgegen mancher Vermutung schrecken viele User nicht vor Vertragsgeschäften via mobile device zurück.

Das größte Potenzial für Display Advertising sieht Christoph Schäfer allerdings im Bereich TV. Wenn sich der Trend in Richtung TV on demand weiterentwickelt (d. h. der User kann selbst entscheiden, wann er welche Sendung sehen möchte), benötigt jedes TV-Gerät eine eigene IP-Adresse. Das bietet ungeahnte Targeting-Möglichkeiten und riesige Potenziale für Display Ads.

SEO 2014 - Rand Fishkin

Wie hat sich SEO verändert und wo geht die Reise hin?

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Kurz vor der ersten Kaffeepause dann ein weiteres Highlight: SEO-Rockstar Rand Fishkin von MOZ.com stürmt die Bühne und stellt zunächst seine Deutschkenntnisse unter Beweis, lobt Schnitzel und deutsche Autobahnen.

Im Schnitt zwei Google Algorithmus-Updates jeden Tag! Diese Hausnummer stellt Fishkin gleich zu Beginn seines Vortrags in den Raum. Allein diese Zahl, und die dadurch angedeutete Komplexität des Themas SEO, sowie die Anzahl täglicher News innerhalb der Szene sind für Fishkin Grund genug, dass SEOs durchaus 50% ihrer Arbeitszeit sinnvoll damit verbringen können, ihr SEO Know-how aktuell zu halten, um so für Kunden oder eigene Websites jederzeit passende Lösungsansätze liefern zu können. Auf dem Markt der SEO-Anbieter gibt es laut Fishkin sehr viele schwarze Schafe. SEO ist - häufig wiederholt - nun einmal harte Arbeit und ein kontinuierlicher Prozess.

Rand Fishkin weist, wie zuvor bereits Ben Edelman, auf mögliche Traffic-Verluste für Websites durch die wachsende Anzahl an Knowledge-Graph-Inhalten hin. Die organischen Suchergebnisse werden zudem immer stärker mit Google+-Ergebnissen personalisiert - ganz egal, ob mir das Ergebnis eine Antwort auf meine Frage liefert oder nicht. “Google is cheating”, kommentiert Rand Fishkin diese offensichtliche Promo-Aktion für Googles soziales Netzwerk. Außerdem sehe man in den USA teilweise bereits deutliche Auswirkungen des Hummingbird-Updates. Suchanfragen werden demnach bald von Google semantisch interpretiert und es werden thematisch passende Antworten ausgespielt, die nicht unbedingt die gesuchten Keywords enthalten müssen.

Die Präsentation des Konferenz-Vortrags findet Ihr hier: https://bit.ly/keepupwithgoogle

Einen Nachschlag von Rand Fishkin gibt es im Rahmen eines kleinen SEO-Dinners, das im Anschluss an die Konferenz im East Hotel stattfindet und vom deutschen SEO-Guru André Alpar präsentiert wird.

Die Inhalte dieser Abendveranstaltung könnt ihr hier herunterladen: http://bit.ly/chooseshortmen

Best Online Marketing Tools 2014 - Florian Heinemann, Danuta Florczyk

Welche Online Marketing Tools passen zu meinem Unternehmen?

Als Gründer und Geschäftsführer des Inkubators Project-A kommt Florian Heinemann regelmäßig mit einer Vielzahl an Helferlein für jegliche Online Marketing Disziplinen in Berührung. Danuta Florczyk bringt ebenfalls enormes Know-how im Online Marketing Bereich mit und war u. a. Director Display Marketing bei Project-A. Daher sollte man sich die wichtigsten Learnings ihres gemeinsamen Vortrags in jedem Fall immer wieder zu Herzen nehmen:

  • Tools sollten immer nach möglicher Effizienzsteigerung ausgewählt werden (Pricing steht im Hintergrund)
  • Die Mitarbeiter, die später mit dem Tool arbeiten sollen, müssen das Tool vorher testen
  • Das Tool muss in die bestehende Infrastruktur / zu den vorhandenen APIs passen
  • Nicht zu viele Tools einsetzen - Qualität vor Quantität

Folgende Tool-Empfehlungen geben die beiden uns noch mit an die Hand:

  • SimilarWeb: Kostenlose Website Traffic-Analyse
  • Glow: Facebook Advertising managen (auch Twitter etc. bald möglich)
  • AdRoll: Kostengünstiges Retargeting-Tool
  • RetentionGrid: eCommerce Kundenbindungs-Tool
  • Cooladata.com: Auswertungen für Last Click Campaigns usw.
  • Appoxee.com: InApp-Push Messages
  • iSpot.tv: Real-Time TV-Ad Analyse

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Creating Real Rockstars - Elvir Omerbegovic

Wie baut man ein Business Imperium über soziale Medien auf?

Nach einem ziemlich “deepen” Vortrag, wie Philipp Westermeyer Heinemanns und Florczyks Vortrag kommentiert, kommt Elvir Omerbegovic genau richtig beim Publikum an. Er gründete das Musik-Label Selfmade Records und hat vor allem namhafte deutsche Rapper wie Kollegah oder Casper unter Vertrag. Mit seiner locker flockigen Art macht er dem Publikum durch eindrucksvolle Zahlen klar, dass Musik, Emotionen und Werbung perfekt harmonisieren.

Bei seinen Projekten geht Omerbegovic den umgedrehten Weg im Vergleich zu klassischen Vertriebs- bzw. Marketing-Modellen. Er fängt mit dem professionellen Aufbau von Social Media Kanälen auf YouTube, Facebook und Co. an und investiert erst in klassische Werbekanäle, wenn bereits eine breite Masse an Fans über die sozialen Medien generiert wurde. Dann aber auch richtig: überdimensionale City-Plakate, Radio- und TV-Kampagnen bis hin zu medienwirksamen Verkaufschart-Wetten mit Legenden wie Heino.

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Elvir Omebegovic appelliert an das Publikum, die enorme Kaufkraft in der Hip-Hop-Szene nicht zu unterschätzen und einen Blick auf die oft sehr erfolgreichen Kampagnen amerikanischer Marken zu werfen. Man kann Brands hervorragend mit kraftvoller Musik aufladen und die Bekanntheit von Stars zur Reichweitensteigerung seiner Kampagne ausnutzen, so Omebegovic.

The Perspective of a Classic Marketing Rockstar - Michael Trautmann

Wo sind die Potenziale im Online Marketing 2014?

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Michael Trautmann, Gründer der erfolgreichen Werbeagentur Thjnk!, regt dazu an, den Fokus endlich auf “Good Data” statt auf “Big Data” zu legen. Große Datenmengen bringen schließlich nur dann etwas, wenn man sie auch auswerten und hilfreiche Schlüsse daraus ziehen kann.

“Wir müssen akzeptieren, dass Menschen auch Phasen haben, in denen sie nicht von Werbung erreicht werden möchten”, so Trautmann.

Unternehmen sollten daher aufhören, ausschließlich Push-Werbung einzusetzen sondern vermehrt auch Pull-Kanäle nutzen. Anhand von Beispielen macht er deutlich, dass es immer noch zu viel Mistargeting im Online Marketing gibt.

Für Trautmann ist die Werbestrategie rund um den Obama Wahlkampf von 2008 ein Musterbeispiel für gutes Online Marketing. Dabei hatte jeder Kanal seine eigene fest definierte Rolle im Gesamtkonzept und wurde auf die Potenziale des jeweiligen Mediums genau abgestimmt. Den Performance Marketern möchte er daher mit auf den Weg geben: “Sucht auch den Dialog mit klassischen Werbern - gemeinsam können wir viel erreichen.”

Kurz vor der Mittagspause gibt es noch zwei Überraschungen: Eine Karaokeversion von Robbie Williams “Angel” wird abgespielt und Michael Trautmann bietet dem Publikum eine gewagte aber durchaus gelungene Gesangseinlage. Danach schlurft Das Bo im Bademantel auf die Bühne und liefert einen kurzen Vorgeschmack auf die Aftershow-Party am Abend.

Social Media in Action - Ben Huh

Was ist das Rezept für viralen Content?

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Nach einer Mittagspause, in der sich die rund 2.000 hungrigen Online Marketer verzweifelt auf alles stürzen, das aus Richtung Küche herangetragen wird und nach Essen aussieht, geht es mit dem Social Media Guru Ben Huh in Halbzeit zwei. Der Gründer von “I Can Has Cheezburger” und “failblog” weiß, worauf es bei Content ankommt, wenn Viralität das Ziel ist.

„The Medium is the Message“ - mit diesem Zitat des berühmten Medientheoretikers Marshall McLuhan stimmt er seinen Vortrag an. Huh erklärt, dass für jedes Medium, für jedes device, spezielle native Formate entwickelt wurden. Kinoleinwände und moderne TV-Bildschirme sind für Filme in 16:9 perfekt, ein hochkant gehaltenes Smartphone ist jedoch für quadratische Vine- und Instagram-Videos besser geeignet. Bei der Content-Produktion muss also für jedes device immer auf das passende native Format zurückgegriffen werden.

Aufgrund einer aktuellen Studie, die den durchschnittlichen täglichen Medienkonsum der heutigen Gesellschaft gemessen hat, prognostiziert er, dass wir spätestens im Jahre 2040 jede wache Minute auf einen Bildschirm starren werden.

Bei der Produktion von Content sollen Unternehmen lustig, einzigartig, emotional und charmant sein - und sich vor allem was trauen. So hat Oreo den Pride Day gesponsert, wohlwissentlich, dass dies nicht allen Leuten gefällt. Es hat aber der Marke ein gewisses Standing gegeben und die kontroversen Diskussionen konnten als zusätzliches kostenloses Marketing verbucht werden.

Qeep - eine mobile Marketingerfolgsgeschichte - Cornelius Rost

Wie wird man im mobilen Markt erfolgreich?

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Qeep generiert monatlich eine Milliarde Pageviews und verfügt über 1,5 Millionen aktive User. Auf solche enormen Zahlen kommt man laut Qeep-Gründer Cornelius Rost nicht nur mit mobil optimierten Websites, sondern benötigt auf jeden Fall Apps. App Stores bringen kontinuierlich neue Nutzer und Push-Notifications können als Werbekanal genutzt werden. Apps sind auf mobile devices darüber hinaus wesentlich sichtbarer als einfache Bookmarks.

2014 wird aller Wahrscheinlichkeit nach - statistisch betrachtet - ein historisches Jahr für den mobilen Markt. Mehr mobile als stationäre Nutzer, mehr Suchanfragen über mobile devices als über stationäre Computer, mehr Android- als iOS-User. Und das Wachstum wird weitergehen, also sollte man definitiv keine Zeit verlieren und mit Mobile Marketing starten - übrigens auch aus SEO-Sicht, wie Rand Fishkin bereits am Vormittag nahegelegt hat.

Mobilgeräte bieten einige Features, auf die mit Apps leicht zurückgegriffen werden kann. Denkbar sind zum Beispiel die Einbindung von haptischen Features, Kamerafunktionen, Mikrofon, GPS, etc. Die mobil optimierte Website soll laut Rost nur noch als Distributionskanal für die App dienen - mit möglichst einfachen Conversion-Schritten bis zum Download. Das Augenmerk soll lieber auf die Optimierung der App Store Visibility gelegt werden. Von durch Incentives angelockten Usern rät Cornelius Rost übrigens dringend ab: Weniger, aber dafür umso aktivere User sind wesentlich sinnvoller.

Sport- und Digital-Marketing: Echte Liebe? - Carsten Cramer

Welche Synergien bieten sich bei Sport- und Online-Marketing?

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Eigentlich ist er ja nur vorbeigekommen, weil er vor dem morgigen Derby gegen den HSV noch etwas Zeit hat, teilt uns der BVB Vertriebs- und Marketingdirektor Carsten Cramer mit einem Lächeln zum Beginn seines Vortrags mit.

Cramer hat sich einst selbst gefragt, ob Sport- und Digitalmarketing überhaupt zusammenpassen - und kann diese Frage mittlerweile mit einem klaren Ja beantworten. Über die verschiedenen Digitalkanäle, insbesondere über soziale Medien, kann der BVB inzwischen eine breite Masse an Sympathisanten zu Fans konvertieren. Außerdem helfen die neuen Medien, die Zeit zwischen den Spielen zu überbrücken und das eigentliche Spielerlebnis von 90 bzw. 120 Minuten deutlich auszuweiten.

Aktuell plant der BVB laut Cramer die Ausstattung des Stadions mit einem leistungsstarken WLAN-Netz sowie die Einführung des Twitter-Hashtags #spieltag für sämtliche über Social Media geteilten Spielkommentare. Da immer mehr Fans ihre Smartphones und sonstigen Mobilgeräte während des Spiels zücken, liegen auch schon Pläne für die optimale Second Screen Vermarktung vor. Man arbeitet bereits an Real Time Ads in Apps und kann sich zum Beispiel vorstellen, beim Torschuss eines Spielers direkt zum passenden Trikotkauf anzuregen.

Der ganz besondere Click - Nico Putz, Adrian Oettl

Was bringen billige Klicks wirklich?

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Im Online Marketing wimmelt es nach wie vor von dubiosen Geschäftsmodellen. Nico Putz und Adrian Oettl betreiben die Website cash4webmaster.de und wissen, woher man Klicks für weniger als einen Cent bekommen kann. Ob diese jedoch ihr (wenn auch geringes) Geld wert sind, ist eine andere Frage.

Putz und Oettl stellen anhand eines Beispiels das Paid4-Modell vor, bei dem man 70.000 Klicks bereits für 14,50 EUR einkaufen kann. Die dabei entstehenden Conversions liegen dabei jedoch im Prinzip bei Null. Layer Ads, die sich über eine Website legen und meist erst nach ein paar Sekunden geschlossen werden können, sind aus Advertiser-Sicht aber sehr verlockend. Sie erzeugen im Schnitt CTRs von 7% und Conversions von 4,5% bei einem CPC von nur 3,6 Cent.

3 Companies to Watch - Gustav Mellentin, Dennis Heinbokel, Christoph Burseg

Welche Start-Ups sollte man 2014 im Auge behalten?

Wie jedes Jahr werden auch bei den OMR14 drei Unternehmen vorgestellt, die spannende Geschäftsmodelle entwickelt haben:

  • Adform: Skandinavische Adserver-Lösung, die beim Planen und Auswerten von Display Advertising Kampagnen hilft und Google Doubleclick Konkurrenz macht

  • Minubo: eCommerce BI-Software, die dabei helfen soll, die Nettoprofitabilität besser auszuwerten

  • Massive Insights: YouTube-Analysetool namens „VeeScore“, das frühzeitig vor Copyright Infringements warnt und die Viralität von Videos vorhersagt

Data at Work: Datenstrategien, die heute funktionieren - Thomas Brandhoff

Was ist sociomantic und wie hat es sich entwickelt?

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Wer nach einer Kaffeepause, in der Fettes Brot höchstpersönlich den Saal gerockt haben, auf die Bühne muss, hat es eigentlich nicht leicht, das Publikum wieder für sich zu gewinnen. Aber das hat Thomas Brandhoff, Gründer von sociomantic, genau genommen auch gar nicht mehr nötig.

Seine Firma sociomantic unterstützt Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Real Time und Data-Driven Advertising Kampagnen. Brandhoff erzählt ohne prahlerische Worte, wie erfolgreich sein Unternehmen mittlerweile auch auf dem internationalen Markt agiert und sich zu einem der weltweit führenden RTA-Käufer entwickelt hat.

Weitere interessante Infos zu sociomantic erfährt man in diesem Interview: http://www.gruenderszene.de/allgemein/sociomantic-interview.

Panel - Bente Hepper, Kerstin Pape, Andreas Richter, Dominik Wöber

Wie verändert Smart Data das Marketing?

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Vor dem letzten Vortrag des Tages versammelt der Philipp Westermeyer vier Experten auf der Bühne, um die Erkenntnisse des Tages zu reflektieren und persönliche Einschätzungen für die Zukunft des Online Marketings einzusammeln.

Kerstin Pape, die bei OTTO das Online Marketing verantwortet, wagt sich an eine Bewertung der Perspektiven verschiedener OM Disziplinen. Für sie ist SEA auch 2014 ein hochrelevanter Kanal, Display, SEO und Social Media bergen Potenziale, für Affiliate sehe es eher finster aus.

Für Andreas Richter, (Mit-) Gründer von plista, einer Plattform für data-driven Content Advertising, geht es passend zu seinem Geschäftsfeld zukünftig primär darum, den Kunden zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit relevantem Content bzw. Werbung abzuholen. Für ihn ist die von Michael Trautman angesprochene Steigerung der Usability von Daten, sprich Good Data statt Big Data, das zentrale Thema. Marketing-Automatismen, die bei der Analyse der Customer Journey helfen, schreibt er großes Potenzial zu.

Auch Bente Hepper, Vice President Business Develeopment bei der Deutschen Post AG, mahnt Unternehmen, nicht alles an Daten zu sammeln, was sammelbar ist. Big Data macht nur Sinn, wenn die Daten auch auswertbar sind.

Dominik Wöber, Head of Performance Solutions bei Google, versucht zum Schluss der Diskussion, die Google-kritischen Äußerungen von Ben Edelmann zu relativieren. SEA für Brand Terms kann sich durchaus lohnen. Den Fokus soll man aus seiner Sicht in 2014 auf mobile, cross-device conversion tracking und AdWords-Optimierung auf Basis von Google Analytics Daten setzen. Zentrale Datenverwaltungstools, die aufgrund von Softwareverknüpfungen diverse Synergien ermöglichen, sieht er als besonders wichtig an.

End Game: What our Industry will look like. Why? And you can profit from it. - John Battelle

Wo geht die Reise im Online Marketing hin?

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Zum krönenden Abschluss entert John Battelle die Bühne des Stage Theaters. Der Gründer der Zeitschrift WIRED und Autor des Bestsellers “The Search” gibt noch einmal ein vernüftiges Round-up zur Entstehung und Zukunft der Online-Welt, von der .com-Blase (Zitat: „Ouch!“) über das erste Banner (das tatsächlich von WIRED kam) bis hin zum aktuellen RTA-Trend:

„RTA is the most fundamental thing in the business.“

Bei seinen Zukunftsaussichten äußert er die Vision einer vollvernetzten Welt voller Daten. Diese Version dürfte er mit dem Suchgiganten Google teilen. Alles und jeder wird eine IP-Adresse besitzen. Für diese enorme Informationsflut müssen laut Battelle völlig neue Interfaces geschaffen werden, um nicht den Überblick zu verlieren.

Eine Sache können laut John Battelle jedoch keine Maschinen übernehmen - die menschliche Kreativität und Gedankenleistung. Darauf kommt es im Marketing auch in Zukunft an.

Fazit

Nach einem exklusiven SEO-Dinner mit Rand Fishkin und ein paar Stunden auf der Aftershow-Party im Uebel & Gefährlich bleibt mir nur noch zu sagen: Wow, was für ein Tag! Marathonprogramm, wenig Verschnaufpausen und unglaublich viel Input von international anerkannten Top Speakern.

Philipp Westermeyer und sein Team haben es tatsächlich geschafft, auch bei den 9. Online Marketing Rockstars noch einen drauf zu setzen. Wenn sie es schaffen, einen kompletten Theatersaal mit 2.000 Plätzen zu füllen, stellt sich mir die Frage, wo die Konferenz im nächsten Jahr stattfinden soll. Bei so einem tollen und eng getakteten Programm bleibt einzig und allein zu bemängeln, dass leider kaum Zeit für Networking, Essen und Trinken übrig bleibt. Vielleicht sollte man daher langsam überlegen, die Konferenz auf zwei Tage aufzuteilen.

Mehr Recaps zu den Online Marketing Rockstars 2014: