jQuery UK 2012

von Marcel Otten
16.02.2012

Gute sechs Jahre ist es nun her, dass John Resig seine Bibliothek zur einfachen Frontend-Manipulation auf dem New Yorker Barcamp vorgestellt hat. Und er traf ganz offensichtlich einen Nerv: Inzwischen ist jQuery tief in der Weblandschaft verwurzelt. Von den 10.000 größten Seiten weltweit greift mehr als die Hälfte auf die Bibliothek zurück, die damit häufiger genutzt wird als Adobe Flash.

Richtungsweisendes aus Oxford

Ein maßgeblicher Grund für den rasanten Erfolg war sicherlich die leichte Zugänglichkeit. Als Entwickler sind mit drei Zeilen Code Effekte zu erzielen, die damals - mangels CSS3 - nur mit Flash realisierbar waren. Dieser Vorteil bot den Kritikern gleichzeitig die größte Angriffsfläche: Als Effektframework verschrien, sei jQuery für schmuckes Ein- und Ausblenden gut. Diese Spielereien würden aber die kilobyteweise mitgebrachte Last nicht rechtfertigen. Inzwischen sind wir weiter und jQuery konnte sich auch in professionellen Kreisen etablieren.

Es gab also genügend Gründe um die Reise nach Oxford anzutreten. Hier öffnete die Saïd Business School am 10. Februar 2012 Ihre Tore zur ersten europäischen jQuery Conference. Mit vierfacher Mannstärke wollten wir erfahren, wie die Zukunft des meistgenutzten JavaScript Frameworks aussieht.

Schnell wurde klar: Professionalisierung ist eines der vorherrschenden Themen. Das einstige Projekt hat sich immer mehr zu einer Organisation entwickelt, an deren Spitze nun die 15 gewählten Boardmember stehen. Entscheidungen werden zeitnah öffentlich dokumentiert, teils auch öffentlich getroffen und debattiert. Und mit der Mitgliedschaft in der Software Freedom Conservancy hat sich das Team auch aus (marken)rechtlicher Sicht eine professionelle Basis erarbeitet.

1.8 and beyond

Nach drei größeren Releases im letzten Jahr, die allesamt neue Funktionen mit sich brachten, wird nun ein Gang runter geschaltet: Für jQuery 1.8 werden vorerst keine neuen APIs erwartet. Vielmehr stehen Optimierungen auf dem Plan. Ziel ist es, schlanker und effektiver zu werden, was sich auch an der Bytezahl bemerkbar machen soll. Selbiges gilt übrigens auch für jQuery UI.

Ein Weg könnte es dabei sein, die momentane Last alter Browserversionen in ein Plugin auszulagern. So würde der Kern, der z.Z. durch den Internet Explorer 6 und 7 unnötig zu schleppen hat, schrumpfen. Festlegen wollte man sich hierbei jedoch nicht.

Und Mobil?

Auf der jQuery UK wurde deutlich, dass jQuery Mobile sich vor allem als Vertreter der Kleinen versteht: Todd Parker, seines Zeichens Project Lead im Team Mobile, betonte, dass es keine Bevorzugung der Platzhirschen iOS und Android gibt und geben wird. So kommt die Liste der A-Grade Plattformen, auf denen die Unterstützung von jQuery Mobile nahezu ohne Einschränkungen sichergestellt wird, inzwischen auf über 20 Vertreter. Darunter übrigens auch einige Desktop-Browser.

Es wurde aber auch deutlich, welche Gedanken einem das Framework abnimmt. So wird beispielsweise neben der Bedienung per Touch und Maus auch die Tastatur unterstützt. Was im mobilen Kontext erst einmal unnötig erscheint, ergibt bei der Berücksichtigung von Joysticks wieder einen Sinn.

Fazit

Das Team hinter jQuery hat an dem Tag in Oxford eines deutlich gemacht: Die Marschrichtung geht ins Professionelle. Und dieses selbst auferlegte Credo wird auch von der Entwicklergemeinde erwartet. In dieses Bild fügt sich auch die in Entstehung befindliche jQuery Learning Plattform, als Ressource zur Selbstbildung. Den aktuellen Entwicklungsstand kann man hier einsehen.

Es bleibt, neben einigen neuen Anregungen aus gut geplanten Vorträgen, vor allem ein interessanter Einblick hinter die Kulissen.