Headless CMS – die Zukunft des Content-Management-Systems?

von Tabea Riedmayer
12.02.2019

Flexibler und dynamischer Content dank Headless CMS. Denn anders als klassische Content-Management-Systeme trennt das Headless CMS den Inhalt von der Repräsentation. Gewinn: skalierbarer Content! Die Inhalte werden in einem System gepflegt und die verschiedenen Frontends für die verschiedenen Kanäle (Website, App, etc.) speisen sich aus einer gemeinsamen Datenquelle.

Warum klassische CMS an ihre Grenzen kommen...

Die digitale Welt entwickelt sich rasant. Die Zeit, in der es nur das Web und E-Mail gab, ist Geschichte. Heute sind wir überall vernetzt. Es gibt nicht nur eine Vielzahl an Devices, sondern auch verschiedene Kanäle, die man bedienen will. Wir haben es heutzutage zutun mit Desktops, Smartphones, aber auch mit anderen Smart Devices wie zum Beispiel einer Smartwatch, bei welcher Bild und viel Text überflüssig sind oder auch mit Smart-TVs, die wiederum ganz andere Darstellungsweisen erfordern. Die Folge: Inhalte müssen dynamisch auf vielen verschiedenen Devices und Kanälen mit unterschiedlichen Darstellungen (Frontends) ausgeliefert werden.

Klassische CMS – wie unser auch weiterhin sehr geschätztes Magnolia – welches Backend und Frontend koppelt, ermöglicht die Pflege von Daten im Backend und eine darauffolgende Ausgabe dieser über das Frontend. Im Vorfeld wird für die Ausgabe der eingepflegten Inhalte eine Maske erstellt, an die sich das Frontend in der Darstellung halten muss. Die Ausspielung der Inhalte mit verschiedenen Servern und Clients, die im CMS nicht von vornherein berücksichtigt wurden, gestalten sich somit eher schwierig. Denn die Maske kann nur die „eigene“ Template-Engine bedienen. Außerhalb dieses Templates oder geschweige denn in anderen Programmiersprachen ist das klassische CMS nur schwer in der Lage auszuliefern. Dennoch besteht natürlich eine gewisse Flexibilität. Es ist aber deutlich schwieriger das CMS weiterzuentwickeln und auch die Frontend-Entwickler sind in ihrer gestalterischen Freiheit eher eingeschränkt.

Der Kopf muss ab.

An dieser Stelle kommt Headless CMS ins Spiel. Headless CMS ist ein guter Ansatz für flexiblen und dynamischen Content. Es trennt den Inhalt von der Repräsentation. Das Frontend agiert also ganz unabhängig vom Backend. Eine API fungiert als Schnittstelle und gewährt dem Frontend Zugriff auf die eingegebenen Daten. Die Inhalte werden in der Regel als JSON-Format ausgeliefert.

Beispiel: In dem Headless CMS befinden sich verschiedene Contenteinheiten: Headline, Fließtext, Image, Link. Auf der Website werden alle Einheiten dargestellt. In der App sollen hingegen nur Image und Headline dargestellt werden. Welche Contenteinheiten letztendlich auf welchem Kanal ausgespielt werden, wird also im Frontend des jeweiligen Kanals definiert. So gibt es in diesem Beispiel jeweils ein Frontend für die Website und ein Frontend für die App.

Content as a Service.

Die verschiedenen Frontends bedienen sich also aus einem Datenspeicher – dem Headless CMS – und spielen je nach Kanal die gewünschten Inhalte aus. Egal, ob mobile App, IoT-Device, E-Commerce-Shop, Software oder Portale. Zusätzlich sind die Daten des Headless CMS durch die Kompatibilität mit verschiedenen Programmiersprachen vielseitig auf unterschiedlichen Servern einsetzbar und somit nicht gebunden. Die Daten können also ganz flexibel und nachhaltig in verschiedenen Medien und Modalitäten dargestellt werden. Die meisten Headless CMS werden als Content-as-a-Service (CaaS) angeboten, d.h. als ein in einer Cloud gehostetes Headless CMS. Aber: Headless CMS ist nicht zwangsläufig CaaS. In wenigen Fällen kann Headless CMS auch selbst gehostet werden.

Decoupled CMS: Der Hybrid unter den Systemen.

Ein weiteres System, welches an Headless angelehnt ist, ist das Decoupled CMS (auch Hybrid CMS genannt). Dieses stellt eine Mischung aus Headless CMS und einem klassischem CMS dar. So besitzt das Decoupled CMS zwar ein Frontend, es kann aber zusätzlich um weitere Frontends erweitert werden. Diese Art von CMS wird unter anderem auch von Magnolia angeboten.

Natürlich gibt es immer zwei Seiten der Medaille.

Die Entkopplung von Backend und Frontend hat natürlich nicht nur positive, sondern auch negative Seiten:

  • So erschwert die fehlende Ordnerstruktur im Assetmanagement häufig das Wiederfinden bereits verwendeter Inhalte. Da alles auf einer Ebene steht, ist hier eine semantische Benennung erforderlich.
  • Zudem ist das System Content as a Service aufgrund des Datenschutzes nicht für alle akzeptabel. Leider können die meisten guten Headless CMS nicht intern gehostet werden.
  • Ein weiteres Manko stellt der fehlende Experience-Editor (WYSIWYG-Editor) dar.

Für die Arbeit mit Headless CMS muss also ein Umdenken erfolgen. Und das durch alle Bereiche eines Unternehmens hinweg. Weg von der seitenbasierten Strukturierung, hin zur semantischen Struktur. Der Redakteur muss demnach eine gewisse Abstraktionsfähigkeit mitbringen bzw. erlernen. Wie bei allen Veränderungsprozessen, muss daher zunächst einmal für Akzeptanz geworben werden. Sowohl beim Kunden als auch beim zuständigen Redakteur. Sind diese Schritte getan, kann Headless CMS eine sehr nützliche und zukunftsweisende Alternative zu herkömmlichen Content-Management-Systemen darstellen:

  • Das wichtigste vorweg: Kosteneinsparungen durch weniger Entwicklungsaufwand und somit schnelleres Arbeiten und effektivere Content Distribution. Die Ausarbeitung langwieriger Infrastrukturen fällt weg.
  • Entkopplung von Frontend und Backend. Durch die Entkopplung kommen direkt mehrere erfreuliche Dinge auf uns zu. Denn auch wenn das Frontend noch nicht fertig entwickelt ist, können wir bereits anfangen den Content zu pflegen und umgehend live zu stellen. Zudem können wir ganz flexibel und unabhängig voneinander parallel entwickeln.
  • Durch die Nutzung von nur einer Datenquelle ist der Content darüberhinaus leicht wiederverwendbar und kann auf allen Kanälen beliebig genutzt werden, das spart Zeit und Geld. Zudem garantiert die Speicherung der Daten in einer skalierbaren Cloud auf einzelnen Servern eine höhere Ausfallsicherheit.

Das erhoffen wir uns von der Arbeit mit Headless CMS.

Content First. Von Headless CMS erhoffen wir uns Content zentrierteres Arbeiten und das von Anfang an. Dadurch, dass Inhalte ohne Frontend sofort eingepflegt werden können, müssen wir nicht mehr mit Beispieltext arbeiten, sondern arbeiten direkt mit echtem Content. Wir merken also schon im Voraus, was nicht passt und können das Problem direkt beheben. Zudem können Änderungen des Designs schneller umgesetzt und das Frontend auch mal komplett erneuert werden, ohne, dass das Backend angefasst werden muss.

Kurz und Knapp: Wir erhoffen uns durch die Arbeit mit Headless CMS ein schnelleres Aufsetzen von Projekten und auch insgesamt eine Beschleunigung des alltäglichen Arbeitsprozesses.

Headless CMS - kopflos folgen?

Wie sagt man so schön? Probieren geht über studieren. So haben wir bereits einige Wochen damit verbracht, ein Headless CMS zu testen. Test-Objekt: unser eigener Blog. Im Vorfeld haben wir verschiedene Headless CMS geprüft: DatoCMS, Contentful und Prismic. In dieser Evaluationsphase hat sich Prismic für unsere Bedürfnisse, also unseren Agentur-Blog, am passendsten entpuppt. Das heißt natürlich nicht, dass wir Magnolia nicht mehr verwenden und Magnolia nicht mehr empfehlenswert ist – ganz und gar nicht!

„You'll have to balance the pros and cons for your project.“

— Christopher Zimmermann, Produktmanager Magnolia

Wie so häufig gibt es also keine Pauschalantwort auf die Frage, welches CMS das richtige ist. Abwägen lautet die Devise. Klar, das richtige Werkzeug garantiert noch kein gelungenes Projekt, dennoch muss man sich bewusst machen, dass die Wahl des „falschen“ Systems nicht im Handumdrehen korrigiert werden kann. Wir empfehlen also für jedes digitale Projekt eine CMS-Evaluationsphase, in der die Anforderungen spezifiziert werden. Bei komplexen Websites und bei Sites, die hauptsächlich von Personen ohne Developer-Background gepflegt werden, empfiehlt sich wiederum Magnolia.

Christopher Zimmermann, Produktmanager bei Magnolia, nennt in seiner Auseinandersetzung mit Headless CMS zwei große Vorteile von Magnolia. Zum einen haben wir dort nämlich den Seitenbaum für eine bessere Orientierung. Zum anderen ist aber auch der Experience Editor (WYSIWYG-Editor) zu nennen, der es ermöglicht, die optische Ausgabe der Inhalte einzusehen und nicht nur den Content in Form von Data einzupflegen.

Unser Fazit: Es gibt kein besser oder schlechter. Wir sind immer noch begeistert von Magnolia. Jeder muss für sich und sein Projekt herausfinden, welche Art von CMS die geeignetste Lösung darstellt.

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