Von Anna Beglau Montag, 17. März 2014

Mut, Kompetenz und Technologie – Content Marketing Conference 2014

Mut, Kompetenz und Technologie: Das ist es, was gutes Content Marketing braucht. Zumindest sieht das Frank Puscher so, als er die vierte Content Marketing Conference in Köln eröffnet. Rund 400 Leute sind am 5. März 2014 in der Wolkenburg zusammengekommen, um sich über das neue In-Thema auszutauschen. Dieses sei doch eigentlich alter Wein in neuen Schläuchen, so titelt immerhin die Podiumsdiskussion am zweiten Konferenztag. Fest steht, dass es eine bunte Mischung aus vielerlei Disziplinen ist, die sich in der Kölner Wolkenburg trifft – kein schlechtes Zeichen für das interdisziplinäre Thema Content Marketing.

Content Marketing ist Story Marketing!

Tobias Dennehy von Siemens ist der Überzeugung, dass im Content Marketing Geschichten erzählt werden müssen. Dazu passt seine spannende Jobbezeichnung als Corporate Story Architect & Editorial Chance Manager. Man vergesse in Deutschland oft, dass das Wort Content zweierlei Bedeutungen im englische habe: 1. Inhalt und 2. Gehalt:

Auf Corporate Content wartet keine Sau! Man muss die Menschen überzeugen.

Ehrliche Worte von einem Mann, der im Traditionskonzern Siemens eine wirkliche große Veränderungswelle begleitet hat. Heute hat die Siemens AG ein eigenes Content Team, das eng mit der PR- und Marketingabteilung zusammenarbeitet. Es wurde ein bereichsübergreifender Newsroom geschaffen, in dem etwa 50 Menschen zusammenarbeiten und die Kommunikation steuern. Davon können viele Unternehmen aber nur träumen, weil es an Geld oder notwendiger Unterstützung aus der Chefetage fehlt. Und wie sollen 50 Leute täglich neue Geschichten erzählen? Gar nicht. Geschichten lässt Siemens lieber Andere erzählen. Dazu haben Sie einen YouTube-Channel gestartet. Unter dem Titel /answers erzählen professionelle Dokumentarfilmer Geschichten von einzelnen Personen. Die Idee basiert auf der Annahme, gute Geschichten kämen nicht aus dem Unternehmen selbst.

Du bist Sponsor? Sichere Dir jetzt Exklusivrechte!

Alle, die dachten, Sponsoring sei von gestern und würde nur Image-Zwecken dienen, die belehrte Dirk Hufnagels, Leiter Corporate Business Marketing bei der Hypovereinsbank, eines Besseren. Er zeigte eindrucksvoll wie Sponsoring in Verbindung mit Content Marketing ein sehr starkes Instrument sein kann. Besonders interessant ist das für Branchen, die sich mit eigenem interessanten Content schwer tun wie Banken oder Versicherungen. Die Idee ist es den Content und vor allem die Plattform des Sponsoringpartners zu nutzen und somit größere oder gar neue Zielgruppen zu erreichen. Im Falle der Hypovereinsbank ist der Sponsoringpartner der FC Bayern München mit zahlreiche Sponsoren und 11 Millionen Fans auf Facebook. Die Hypovereinsbank war der erste Sponsor, der sich digitale Rechte gesichert hat und exklusiv auf verschiedenen Kanälen des Fußballvereins vertreten ist. Hufnagels rät Unternehmen mutig zu sein und sich jetzt Rechte für die digitale Vermarktung bei Sponsoringpartner zu sichern. Für den Markt sei das noch Neuland und es gäbe viele Möglichkeiten.

Begeistert hat mich insbesondere die Tragweite dieser Content Marketing Aktion. Die Hypovereinsbank kreierte nicht nur den neuen Slogan „Die Bank der Bayern“ , sondern entwickelte passgenaue neue Produkte, mit denen sie bares Geld verdient.

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Probieren geht über Studieren.

Ein Geheimrezept für garantierten Erfolg gibt es im Content Marketing nicht. Alle Referenten waren sich einig: Man müsse sich mehr trauen und einfach mal Dinge ausprobieren. Besonders charmant, wenn man dann auf einer Bühne auch Fehler eingestehen kann, wie Ingo Herman von der Schwenninger Krankenkasse. Die Krankenkasse startete vor etwa zwei Jahren ein umfangreiches Content-Projekt mit der babyharmonie.de, das losgelöst von den Produkten der Krankenkasse als Ratgeber fungiert. Nachdem das Portal erfolgreich lief, startete man auch eine Facebook-Page „Babyharmonie“. Nach kurzer Zeit musste man sich jedoch eingestehen, dass ein Babywunsch kein Social Media Thema ist. Zu privat, zu pikant – darüber möchte weder Frau noch Mann öffentlich auf Facebook kommunizieren. Die Krankenkasse reagierte und stampfte die Facebook-Page wieder ein.

Content is king, data is queen and persona is god!

Eine neue Art Perspektive auf seine Zielgruppe ist die Erstellung von Persona. Maik Gomez (https://www.xing.com/profile/Maik_RicoyGomez) gab interessante Einblicke in die Entwicklung von Content Marketing Maßnahmen im B2B-Umfeld und beschrieb Content Marketing als eine Brücke zwischen Marketing und Vertrieb.

How to get startet a la Gomez:
1. Lead Funel definieren.
2. Buyer Persona definieren.
3. Content Audit: Content analysieren, erstellen und aufbereiten.
4. System Setup: System auswählen und konfigurieren.
5. Leads generieren und qualifizieren.

Dieses kleine How-to wirkt zwar simpel und allgemein, wird aber sicher von vielen Unternehmen und Agenturen so noch nicht befolgt.

Was aus einem Content Audit wachsen kann, zeigte eindrucksvoll Frank Wolfram. Bei Recherchen stieß er mit seinen Kollegen auf einen Content-Schatz von 11.382 Seiten zum VW Bulli. Hieraus wurde eine Content-Strategie für Inhalte mit Liebe. Der VW Bulli als Ikone – keine schlechte Idee.

SEO liebt Content Marketing

Auch in der SEO-Branche wird allzeit über Content und Content Marketing gesprochen. Zahlreiche Google Updates a lá Panda und Co. haben dies notwendig gemacht. Umso schöner, dass der schöne SEO-Mann Jens Fauldraht den Mut hatte auszusprechen, was sich einige sicher schon dachten:

Wenn SEOs über Content-Marketing reden, ist das eher Kindergarten-Content.

Eine Zusammenarbeit von Online-Marketing Managern, SEO-Speazialisten und Redakteuren ist daher umso wichtiger, denn es gibt noch so viel zu lernen. SEO liebe Content Marketing, weil es im besten Fall Teil der Onpage-Optimierung sei. Dabei dürfe aber niemals vergessen werden, dass man für Menschen und Ihre Bedürfnisse optimiert. Unternehmen im E-Commerce rät Fauldraht: Seid mutig und seid stolz auf eurer Produkt! Das dabei neuartige und verrückte Ideen entstehen können, zeigte er am Beispiel vom Todesmagnet – ein ganz anderes Beispiel für Content Marketing. Der SEO-Spezialist betonte immer wieder die Relevanz von Produkttexten. Jede noch so schöne Content Marketing Kampagne würde nichts nützen, wenn man keinen Traffic über Google erhalte und Produkte vertrauensvoll und informativ darstelle. Zuletzt ein kleiner aber feiner Ratschlag an alle Website-Betreiber für Ihre Metatags von Jens Fauldrath:

Ein Page-Title braucht Relevanz, Mehrwert und Handlungsaufforderung.

Was gab’s zu lernen und zu bewundern?

Es gab viele praktische und interessante Beiträge, aber das Thema Content Strategie suchte man vergebens. Zusammenfassung: große Konzerne, mittelständische Betriebe, eindrucksvolle Agentureinblicke und ein bisschen Eigenwerbung.