Versicherungswirtschaft 2.0 – eine Branche traut sich

von Anna Beglau
25.11.2013

Am 21. November 2013 trafen sich die Online-Kommunikatoren der deutschen und schweizerischen Versicherungsbranchen in München zum dritten @ssekuranzforum, um über die richtige Social Media-Strategie für die Versicherungsbranche 2.0 zu diskutieren. Social Media & Content Managerin Anna Beglau war für Neoskop vor Ort.

Digitalisierung ist kein Wachstumsthema

Im Maritim Hotel in der Nähe des Münchener Hauptbahnhofs fokussierte sich eine Gruppe aus Social Media-Spezialisten beim @assekuranzforum auf die digitale Kommunikation der Versicherungswirtschaft.

Für eine Multichannel-Kommunikation sprachen sich Dr. Christina Ellringmann und Dr. Gero Matouschek aus. Sie plädierten dafür, dass auch in der Versicherungsbranche die Silos von Vertrieb, Service, Marketing, Betriebsorganisation sowie On- und Offline-Kommunikation aufgebrochen werden müssen. Dieses Argument betonten sie zurecht, ist es doch unumstritten, dass der Kunde diese Silos heute so oder so überspringt. Deswegen sei die Digitalisierung für Versicherungen auch kein Wachstumsthema. Ihr Praxistipp:

„Einfach anfangen! Keinen 12-Monatsplan schmieden, sondern einfach systematisch im Kleinen anfangen.“

— Dr. Christina Ellringmann u. Dr. Gero Matouschek

Die große Allianz begeisterte mit internationalem Ansatz

Iris Stojko, Global Social Media Strategist bei der Allianz SE, begeisterte alle Gäste und bewies einmal mehr, dass es für die Verankerung einer Social Media Strategie in Unternehmen vor allem auf eines ankommt: Menschen, die sich für das Social Web begeistern, andere davon überzeugen und sich trauen, auch mal gegen den Strom zu schwimmen!

„Versicherungen müssen nicht sexy sein, aber sie sollten Humor haben.“

— Iris Stojko, Allianz SE

Ein interessanter Ansatz von Stojko: Versicherungen seien per se Social Communitys, da ihr Geschäftsmodell darauf beruhe Gemeinschaften von Menschen mit ähnlichen Risikofaktoren und Bedürfnissen zusammenzubringen. Auf die Frage, wie man Versicherungsprodukte in den sozialen Medien erklärt und verkauft, hatte aber auch die Allianz bisher keine Antwort. Verkauft würde noch nicht über Facebook und Co und man gab zu, dass eher weiche Themen wie das Sponsoring der Allianz Arena oder der Formel1 im Social Media Umfeld gespielt würden. Um aber auf dem hohen Standard anzukommen, den die Allianz vorlegt, haben die meisten Unternehmen der deutschen Versicherungsbranche noch einen weiten Weg vor sich. Vielleicht bräuchte es einfach ein paar mehr Iris Stojkos.

Kritik gehört zu Social Media dazu

Hartmut Waldmann, CEO bei European Warranty Partners SE, bietet mit der Wertgarantie AG Sofort-Schutz für Smartphones und Ähnliches an. Online-Bewertungen und Transparenz hält er für entscheidende Faktoren, um zukünftig im Versicherungsgeschäft erfolgreich sein zu können. Dabei betonte er, dass Bewertungen aktiv eingefordert werden müssen von den Versicherungen. Schlechte Bewertungen gehörten dann nunmal einfach dazu...

Versicherungswirtschaft hat noch keine echten Lösungen

Wie oder ob sich auch die Geschäftsmodelle der Versicherungen verändern, ist bisher scheinbar unklar. Noch gibt es hierzu aber auch keinen großen Druck. Echte Konkurrenz droht in den kommenden Jahren aber wohl weniger aus der eigenen Branche als von kleinen und großen E-Commerce Unternehmen. Interessant war auch, dass kaum Direktversicherer vor Ort waren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Versicherungsunternehmen in Deutschland bisher auf Nummer sicher gehen, wenn Sie auf Facebook und Co. kommunizieren: Sie spielen hauptsächlich weiche Themen anstatt Produkte zu erklären oder zu vermarkten Die Allianz kann durchaus als Vorreiter im Einsatz von Social Media beschrieben werden, insbesondere im internationalen Einsatz, aber es gibt bei der Allianz bisher keine Abschlüsse über diese Kanäle. Zu guter letzt war es beruhigend zu sehen, dass zumindest auf einer Konferenz mit Spezialisten auch thematisiert wurde, dass zur Implementierung einer Social Media-Strategie auch interne Veränderungsprozesse gehörten.

Für alle die das Thema Social Media in der Versicherungsbranche interessiert - zwei Themenblogs hierzu: