lean, change & agil – Mindset statt Methode

von Sarah Lehneke
05.06.2017

Neben Schulungen zum Scrum-Master oder Product Owner sind Seminare und Workshops mit dem Fokus auf Erfahrungsaustausch besonders für digitale Projektmanager von großer Bedeutung. Deshalb besuchte Neoskop Projektmanagerin Sarah im Mai den zweitägigen PAGE-Workshop „Agil ans Ziel – Modernes Projektmanagement – Cases, Techniken, Methoden“ in Hamburg und berichtet heute im Neo-Blog über ihre Eindrücke.

Agiles projektbasiertes Arbeiten gilt branchenübergreifend als entscheidender Erfolgsfaktor um im Kontext unsicheren und dynamischen Wandels flexibel und damit wettbewerbsfähig zu bleiben. Demnach ist es wenig überraschend, dass vor allem die Hauptakteure der Digitalbranche – ob etablierte Digitalagentur oder junges FinTech-Start-up – agile Methoden und Werkzeuge der modernen Softwareentwicklung (Stichwort „agiles Manifest“) seit geraumer Zeit einsetzen.

Welche Herausforderungen ergeben sich durch den Einsatz agiler Methoden im kreativen Kontext des Agenturumfelds und welche Learnings lassen sich bisher ziehen? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich die Teilnehmer des Workshops, der vom zertifizierten Scrum Master Hagen Seidel, Head of Delivery bei SapientRazorfish Deutschland, geleitet wurde.

Einleitend beschäftigten wir uns mit dem grundsätzlichen Unterschied zwischen klassisch-deterministischen und agilen Projektmanagement. Während das traditionelle Wasserfallmodell auf vorhersehbare Projektverläufe setzt, lassen agile Methoden bewusst Ungewissheiten zu und akzeptieren den Faktor der Unplanbarkeit zugunsten erforderlicher Flexibilität. Die Implementation von Selbststeuerungsmechanismen und Feedback-Schleifen, kontinuierliche Auslieferung funktionierender Features durch inkrementell-iteratives Vorgehen, vollständige Kommunikation und klare Rollenverteilungen versprechen effizientere Abläufe, motivierte Mitarbeiter und zufriedene Kunden.

In der zweiten Tageshälfte widmeten wir uns dann konkret dem Thema User-Stories, dem zentralen Werkzeug für die Spezifikation der Projektanforderungen und damit Basis für die Projektplanung. Das gemeinsame Herleiten der Stories aus dem Epic und das anschließende Schätzen der einzelnen Tasks durch spielerische Methoden wie Planning Poker (unschwer auf den Fotos zu erkennen) und das Priorisieren durch das gesamte Team dienen dazu, interdisziplinäre Kommunikation und Projekt-Commitment zu fördern - beides essenziell für das agile Arbeiten mit Scrum. Am zweiten Seminartag widmeten wir uns ausführlich den sogenannten "softeren", aber keineswegs weniger wichtigen Themen, wie Meeting-Kultur, Team-Entwicklung, Selbstorganisation und Empowermentstrategien.

„Das Beseitigen der Impediments ist der wichtigste Beitrag des agilen Projektmanagers.“

— Hagen Seidel, Head of Delivery SapientRazorfish Deutschland

Aufgrund des großen Erfahrungsschatzes von Hagen Seidel und der konstruktiven Gespräche zwischen allen Teilnehmern, waren die zwei Tage sehr bereichernd. Dabei muss dazugesagt werden, dass sich der Workshop vornehmlich auf den Einsatz von Scrum konzentrierte, als die am häufigsten eingesetzte agile Methode. Die aus der Softwareentwicklung entlehnte Methode ist dabei nicht eins zu eins im digitalen, kreativen Agenturumfeld einzusetzen, da sich die Rahmenbedingungen hier anders gestalten und bestimmte Voraussetzungen gegeben sein müssen, die sich in der Praxis meist schwer umsetzen lassen. In Agenturen arbeiten die Mitarbeiter meistens an mehreren (unterschiedlich großen) Projekten. Das ist bei Scrum in seiner Reinform nicht vorgesehen, daher ist der Einsatz von Scrum nur bei großen Projekten zu empfehlen, damit die Teammitglieder zu 100% auf demselben Projekt arbeiten und ein Scrum Master und ein Product Owner eingesetzt werden kann. In der Praxis werden die beiden Aufgaben meistens von einer Person, dem agilen Projektmanager, übernommen - was bei großen Projekten nicht selten zu Schwierigkeiten führen kann. 

DINGE NEU BETRACHTEN. IMMER WIEDER.

Ob Scrum, Kanban, Scrumban (Kombination aus Scrum und Kanban) oder andere agile Methoden. Grundsätzlich gilt es projektabhängig zu entscheiden welche Methode zielführend ist. Dabei geht der Trend eindeutig zu hybriden Projektmanagement-Methoden. So kann beispielsweise das traditionelle Vorgehen den organisatorischen Rahmen bilden und innerhalb der Entwicklungsphase agile Methoden eingesetzt werden.

Letztendlich kann man agiles Arbeiten nicht auf den Einsatz einer Methode herunterbrechen. Vielmehr muss es als ein komplexer Prozess, der von allen Projektparteien beständig neu ausgehandelt werden muss, verstanden werden. Das beständige Hinterfragen und Adaptieren der eigenen Arbeitsweise kann demnach als Grundprinzip agilen Arbeitens konstituiert werden und bildet gleichzeitig das Selbstverständnis moderner „Learning Organisations“, dem sich auch Neoskop verschrieben hat: Dinge neu zu betrachten - immer wieder.

Wenn ich Euer Interesse geweckt habe, könnt ihr Euch für den Workshop im Oktober hier anmelden. Viel Spaß!